Vernetzung vorantreiben

Die bürgerlich-konservative Szene traf sich zu einer überparteilichen Zusammenkunft in Berlin.

Kristina Schröder
Schon als Ministerin für ihre geschliffene Argumentation bekannt: Kristina Schröder hielt einen Vortrag zur Familienpolitik. Foto: dpa

Der bürgerlichen Mitte wieder eine Stimme in der Öffentlichkeit zu geben: Das ist das erklärte Ziel des Medienunternehmers und Publizisten Klaus Kelle. Am vergangenen Samstag lud er daher inzwischen schon zum vierten Mal zum „Treffen der Schwarmintelligenz“ nach Berlin ein. Gut vierhundert Menschen waren Kelles Einladung gefolgt. In seiner Begrüßung machte Kelle deutlich, worum es ihm geht: „Wir wollen nicht mehr zusehen. Das ist das Leitwort, mit dem ich Sie motivieren möchte, mitzumachen“. Es ginge nicht darum, gute Reden zu hören oder Menschen zu treffen. Vielmehr sei jeder gefordert, sich auch einzubringen und mitzuwirken, damit sich etwas im Land verändere. Für Kelle sind in den letzten Jahren viele Dinge in Deutschland aus dem Ruder gelaufen. Das Beispiel für ihn: die Migrationspolitik. Gefahren sieht er aber auch bei der Einschränkung der Meinungsfreiheit, dem Rückbau des Rechtsstaates oder dem Angriff auf die Zweigeschlechtlichkeit von Mann und Frau. Aus Sicht des Journalisten Kelle erleben wir heute den Umbau unserer freien und wohlhabenden Gesellschaft durch Ideologen unter dem Stichwort „Modernisierung“. Das Bürgertum müsse daher aufgerüttelt werden und Farbe zu seinen Werten bekennen. Die Dinge müssten sich endlich ändern.

Der etwas sperrige Begriff der „Vollversammlung der Schwarmintelligenz“ leitet sich vom Begriff „Schwarm“ ab, der im Internet in den vergangenen Jahren populär geworden ist. Für Klaus Kelle bedeutet Schwarmintelligenz, dass eine bestimmte Gruppe von Menschen ihr Wissen und ihre Kreativität einbringt, um gemeinsam etwas zu verändern. Die Erkenntnis, dass etwas falsch im Land läuft, kann für Klaus Kelle daher nur der erste Schritt sein.

Der nächste Schritt ist das Kennenlernen und Organisieren des Schwarms. Am Ende soll dann Aufbruch und Veränderung stehen. So die Vision. Mit Referenten wie der ehemaligen Bundesfamilienministerin Kristina Schröder, dem prominenten Rechtsanwalt und Publizisten Joachim Steinhöfel, dem ehemaligen Leiter der Gedenkstätte im früheren Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, dem Unternehmer Peter Weber, dem Volkswirt und Bestsellerautor Marcus Krall oder der Familienrechtlerin Hedwig von Beverfoerde gelang es dem 60-jährigen Journalisten, ein breites Spektrum anzusprechen. Es herrschte keine Wagenburg-Mentalität, stattdessen wurde immer wieder untereinander diskutiert, auch hitzig. Es war ein Marktplatz des bürgerlichen Lagers. Das Treffen der „Schwarmintelligenz“ hat sich inzwischen zu einem der größten parteiübergreifenden Treffen der bürgerlich-konservativ-liberalen Szene in Deutschland entwickelt. Das Publikum war dann auch dementsprechend vielfältig: von CDU, FDP, freie Wähler bis zur AfD, von Libertären bis Reaktionären, von liberalen Bürgerrechtlern bis traditionellen Christen. Insofern nahm man es Kelle dann auch ab, wenn er in der Begrüßung betonte: „Ich bin für eine bunte Gesellschaft – aber bunt heißt nicht nur: rot und grün.“

Die Frage, was sich aus so einem Treffen entwickeln kann, bleibt im Raum stehen. Erst einmal ist es ein Netzwerktreffen. Menschen, die vielleicht sonst nicht zusammenkommen würden, kommen zusammen. Man kommt ins Gespräch, man lernt sich kennen und diskutiert miteinander. Schon seit einiger Zeit initiiert Klaus Kelle in den verschiedenen Städten konservativ-liberale Stammtische. Dort kommen ebenfalls Menschen aus unterschiedlichen Richtungen zusammen. Andere politische Mehrheiten sind nach Ansicht von Klaus Kelle möglich. Diese kämen aber nicht zustande, da die Protagonisten der unterschiedlichsten Lager nicht miteinander reden wollten.

Die Dominanz in den Debatten dürfte aber nicht den Anderen überlassen werden. Ob daraus eine Bürgerbewegung entstehen kann, wie sie dem Initiator Klaus Kelle vorschwebt, bleibt abzuwarten.