Ukrainische Orthodoxie vor Einigung?

Patriarchen von Konstantinopel und Moskau vereinbaren in Kiew Dialog zur Überwindung der Spaltung

Kiew (DT/KNA/KAP) Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel und der Moskauer Patriarch Alexij II. wollen gemeinsam ein Ende der Spaltung der orthodoxen Kirche in der Ukraine erreichen. Bei einem Treffen am Sontagabend in Kiew vereinbarten die Kirchenführer einen Dialog zur Lösung des Problems.

Nach der Unabhängigkeit des Landes hatte sich ein erheblicher Teil der orthodoxen Geistlichen vom Moskauer Patriarchat losgesagt und 1992 eine eigene ukrainisch-orthodoxe Kirche des Kiewer Patriarchats gegründet. „Wir haben uns entschieden, für die Verbesserung der Beziehungen zwischen den Kirchen von Russland und Konstantinopel zu arbeiten, da wir beide für die Einheit der Orthodoxie verantwortlich sind“, sagte Bartholomaios I. Zugleich hoffe er, dass Alexij II. am geplanten Treffen der Weltorthodoxie im Oktober in Istanbul teilnehme.

Der Moskauer Patriarch erklärte, die Verhandlungen sollten die Kontroverse beenden. „Wir werden Entscheidungen treffen, die den Interessen unserer Kirchen entsprechen.“ Der Außenamtschef des Moskauer Patriarchats, Metropolit Kyrill von Smolensk und Kaliningrad, nannte die Verhandlungen ein „historisches Ereignis für die Beziehungen beider Kirchen und generell in der neuesten Geschichte der orthodoxen Kirche“.

In der Ukraine bestehen gegenwärtig drei große orthodoxe Gruppierungen. Neben dem Kiewer sowie dem Moskauer Patriarchat gibt es noch die „Ukrainische Autonome Orthodoxe Kirche“.

Das Treffen von Bartholomaios I. und Alexij II. fand nach einem von beiden Patriarchen zelebrierten Gottesdienst zum 1020. Jahrestag der Christianisierung der Ukraine statt. Das Verhältnis von Bartholomaios I., dem Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie, und Alexij II. gilt als angespannt, weil sich einige nationale orthodoxe Kirchen von Moskau abwenden und die Nähe von Konstantinopel suchen, darunter die Kirchen in der Ukraine und in Estland.

Präsident Juschtschenko hatte am Samstag bei einem Empfang vor dem Platz der Sophienkathedrale in Kiew – in Anwesenheit des zum Moskauer Patriarchat gehörenden Kiewer Metropoliten Wladimir (Sabodan) – die Gelegenheit ergriffen und den Ökumenischen Patriarchen aufgefordert, die Errichtung einer vom politischen und kirchlichen Moskau unabhängigen orthodoxen Nationalkirche in der Ukraine zu unterstützen. Juschtschenko zeichnete den Ökumenischen Patriarchen auch mit dem höchsten ukrainischen Orden – dem Großkreuz des Fürsten Jaroslaw des Weisen – aus. In seiner Dankansprache erinnerte Bartholomaios I. während dieser Ehrung daran, dass die Kirche von Konstantinopel das ukrainische Volk nicht nur bei seinen „ersten Schritten im christlichen Glauben“ unterstützt habe, sondern auch während des ganzen letzten Jahrtausends.