Tiefstand bei Organspenden

Frankfurt/Berlin (DT/KNA) Die Organspendenskandale in Göttingen, Regensburg, München und Leipzig haben offenbar konkrete Auswirkungen auf das Spendenverhalten der Bundesbürger. Wie die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) am Montag in Frankfurt mitteilte, sank die Zahl der Spenden im vergangenen Jahr dramatisch um 12,8 Prozent und erreichte damit den niedrigsten Stand seit 2002. Unterdessen geht die Debatte über mögliche Konsequenzen weiter, nachdem in der vergangenen Woche Unregelmäßigkeiten bei Transplantationen im Uniklinikum Leipzig bekannt geworden waren. Laut DSO spendeten im Jahr 2012 insgesamt 1 046 Menschen nach ihrem Tod 3 508 Organe. Im Jahr zuvor waren es noch 1 200 Spender und 3 917 Organe gewesen, die für Transplantationen bereitgestellt wurden. Die Stiftung sprach von einer besorgniserregenden Entwicklung. Mit einem bundesweiten Durchschnitt von 12,8 Spendern pro eine Million Einwohner sei ein dramatischer Tiefstand erreicht. Deutschland lag schon in den vergangenen Jahren im europäischen Vergleich im hinteren Tabellendrittel. Der Medizinische Vorstand der DSO, Günter Kirste, forderte schnelle Maßnahmen, um das Vertrauen wieder herzustellen. „Ohne Zweifel sind die Manipulationsvorfälle in den Transplantationszentren durch nichts zu entschuldigen“, sagte er. Bundesweit warteten rund 12 000 Menschen auf eine Transplantation.

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) verteidigte unterdessen die deutsche Organspende-Praxis. „Deutschland hat die strengsten Regeln, sodass Organe ausschließlich nach medizinischen Kriterien vergeben werden dürfen. Und das ist gut so!“, sagte Bahr der „Bild“-Zeitung. Im vergangenen Jahr hatte der Bundestag das Transplantationsgesetz mit dem Ziel reformiert, mehr Organspender zu gewinnen. Dabei waren unter anderem die Krankenkassen verpflichtet worden, jeden Versicherten über die Organspende zu informieren und Spendenausweise zur Verfügung zu stellen. Laut einer Umfrage der „Bild am Sonntag“ lehnen inzwischen rund 37 Prozent der Bundesbürger eine Organspende ab.