Taupitz für Tests an Demenzkranken

Bundestag plant neue Expertenanhörung. Von Stefan Rehder

München/Berlin (DT) Der Medizinrechtler Jochen Taupitz befürwortet eine Zulassung medizinischer Tests auch an Demenzkranken und anderen Menschen, die nicht mehr im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte sind. „Ja, unbedingt“, schreibt der Direktor des Instituts für Medizinrecht der Universität Mannheim in einem Beitrag für die „Süddeutsche Zeitung“. „Das Grundgesetz steht derartigen Studien nicht grundsätzlich entgegen“, so Taupitz, der bis vor kurzem stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Ethikrats war. Man könne erwarten, dass eine solche Forschung für die Gruppe derjenigen Patienten mit einem direkten Nutzen verbunden sei, die an der gleichen Krankheit litten wie der Proband. Die Medizin stehe zwar vor dem Dilemma, dass der Proband die erforderliche Einwilligung selbst nicht rechtswirksam erteilen könne, räumte Taupitz ein. Das sei aber „bei anderen medizinischen Maßnahmen, etwa einer lebenserhaltenden Therapie, in entsprechenden Situationen nicht anders“.

Dagegen wertete die Bundesvorsitzende der Lebenshilfe, Bundestagsvizepräsidentin Ulla Schmidt (SPD), die vom Gesundheitsministerium geplante Forschung an Menschen mit Demenz, die davon keinen Nutzen haben und nicht mehr einwilligen können, als „Verstoß gegen die Menschenwürde“. Das geltende Verbot solcher Forschung dürfe nicht aufgeweicht werden, alles andere käme „einem Dammbruch gleich!“.

Ursprünglich hatte die geplante Forschung an Menschen mit Demenz in dieser Woche auf der Tagesordnung des Bundestages gestanden. Fachleute hatten aber so große Bedenken angemeldet, dass es nun voraussichtlich im Oktober eine weitere Expertenanhörung im Gesundheitsausschuss geben wird. Ulla Schmidt: „Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages müssen hier eine Entscheidung treffen, die auf zutiefst ethischen Fragen fußt. Eine intensive Diskussion und ausführliche Informationen, die ein fundiertes Votum ermöglichen, sind daher unumgänglich. Die derzeit bekannten Argumente und bekannten Gefahren sprechen für ein Verbot der geplanten fremdnützigen Forschung.“