„Tagespost“ bei Papstausstellung

Wenn der Wert einer Ausstellung darin besteht, ihre Besucher mit einem Erkenntnisgewinn zu entlassen, der mit alten Denkgewohnheiten bricht, dann ist die Berliner Schau über Pius XII. von ungeheuerem Wert. Die Papstausstellung, die bis 7. März in Schloss Charlottenburg zu sehen ist, hat das Zeug, öffentlichkeitswirksam mit einer Geschichtslüge aufzuräumen und Rolf Hochhuth endgültig die Deutungshoheit über Eugenio Pacelli zu entreißen.

Selbstverständlich ist Hochhuths böses Pius-Bild längst von der seriösen Geschichtswissenschaft widerlegt. Dennoch wirkt sein „Stellvertreter“ bis heute nach. So absurd das ist, so schwer ist es, dem wirkungsvoll zu begegnen. Den Berliner Ausstellungsmachern ist genau das gelungen. An die Stelle von Hochhuths jämmerlicher Kunstfigur treten historische Fakten. Das erstaunlich positive Echo in den großen säkularen Medien zeigt, dass diese Präsentation Pius XII. tatsächlich aus der Hochhuth-Falle befreit. Im Rahmenprogramm zur Berliner Ausstellung wirkt die „Tagespost“ mit zwei Matineen mit: Jeweils am Sonntag um 11.30 Uhr in der Großen Orangerie im Schloss Charlottenburg. Am 1. Februar tragen die Schauspieler Corinna Kirchhoff, Frank Arnold und Friedhelm Ptok Original-Texte vor, die die Hochhuth-Debatte ins Gedächtnis rufen. „Verfälschte Geschichte“ ist diese Veranstaltung überschrieben. Am 8. Februar werden die Historiker Thomas Brechenmacher und Karl-Joseph Hummel einen Dialog über Pius XII. führen: „Hitlers Papst?“

Gerade in einem Moment, in dem das Verhältnis zwischen Rom und den Juden erneut Gegenstand hitziger Debatten ist, zeigen die Berliner Ausstellung und diese Matineen, wie wichtig es ist, genau hinzusehen und hinzuhören, bevor man sich vom Strudel vorgefertigter Meinungen mitreißen lässt. Re