Sprachschäden in Milliardenhöhe

Keine Werbung ohne Englisch – Dumm nur, wenn die Kunden übersetzen

von Bernhard Huber

Seit das Internet unseren Sprachraum um den Chattroom ergänzt hat, kann in Deutschland jeder Englisch. Statt langweiliger Schlussverkäufe legen uns Sales Must-Haves ans Verbraucherherz. In Meetings werden Handouts, in Fußgängerzonen Flyer verteilt. An den Universitäten studiert man künftig auf Bachelor und Master. Straßencafés laden mit einem „Haferl Coffee“ zum Innehalten ein. Pausenlos mühen sich Eventmanager darum, mit grandiosen Show-Ideen unseren tristen Alltag aufzupeppen, und wenn ein Sportartikelfachgeschäft im Schaufenster „Running im 1. OG“ bewirbt, möchte man spontan die Treppe hochrunnen, um zu checken, was es da zu shoppen gibt.

Unablässig überraschen uns die Creative Directors der werbetreibenden Zunft mit Slogans, die unsere Englischkenntnisse herausfordern, und wenn, wie in Zeiten des Finanzcrashs, kein Stein mehr auf dem anderen bleibt, greift man nur zu gerne auf das Idiom Shakespeares zurück: Eine „bad bank“ soll all die schlimmen Werte, die sich in den Bilanzen der Finanzinstitute angehäuft haben, schlucken und die schlimmen Assoziationen einer „bösen Bank“ gleich mit. Nothing scheint impossible. So sehr aber das Englische unseren Lifestyle prägt und bereichert, so kostspielig kann es paradoxerweise zu Buche schlagen. Schätzungsweise verursacht die englisch durchsetzte Wirtschaftssprache einen Schaden von mindestens einer Milliarde Euro jährlich. Offenbar verstehen die Zielgruppen des deutschen Sprachraums englische Werbebotschaften nicht so, wie es sich die Kampagnenplaner wünschen. Sie lesen Sprüche wie „Feel the difference“, „The Power to surprise“ oder „Come in and find out“ nicht nur, sondern übersetzen sie. Den Unsinn, der dabei herauskommt, lasten sie prompt dem beworbenen Produkt an, das sie dann nicht kaufen. Denn wer gibt sein Geld schon für Unsinn aus?