Schildbürgerstreich in Oxford

Stadtrat schafft Weihnachten ab – Muslims und Juden protestieren

Von Guido HOrst

Altehrwürdiges Oxford, in grauer Vorzeit von einer sächsischen Prinzessin und Nonne gegründet, du Stadt eines J. R. R. Tolkin und C. S. Lewis, der du John Henry Newmann beherbergt hast und Dorothy L. Sayers sowie einer frommen Bewegung in der anglikanischen Kirche Englands den Namen gabst: Kann man sich noch saftiger blamieren? Die finale Entchristlichung Europas vorwegnehmend hat der Stadtrat Oxfords beschlossen, das Wort „Weihnachten“ zu streichen. Stattdessen wird Ende Dezember das „Winter Light Festival“ gefeiert, ein winterliches Licht-Fest. Das klingt drollig, ist es aber nicht. Denn vor allem die muslimische und die jüdische Gemeinschaft der Stadt haben wegen dieses Schabernacks protestiert. Auch ihnen ist das christliche Weihnachtsfest so ans Herz gewachsen, dass sie ganz verdattert sind. „Christen, Muslims und die Angehörigen anderer Religionen, alle warten sie auf Weihnachten – ich bin verwirrt“, meinte Hussain Mirza, Vorsitzender des muslimischen Rates von Oxford. „Das ist nicht positiv für die Identität Großbritanniens, das ist ein Angriff auf die traditionelle Kultur“, fügte der Oxforder Rabbi Bracknell hinzu. Ein Schildbürgerstreich, den sich der Stadtrat da selber gespielt hat – aber einer, der tief blicken lässt.

Man wolle nicht den anderen Religionen zu nahetreten und sie mit christlichen Festen belästigen, meinten die Stadtväter in interreligiöser Unterwürfigkeit, wie sie sich unter europäischen Christen immer weiter zu verbreiten scheint. Und zu Ostern denken sie wohl an ein Fest des Hasen. Muslime und Juden Oxfords: Vereinigt euch! Lasst euch die christlichen Feste nicht nehmen! Wenn schon die Christen nicht mehr für sie eintreten wollen, kämpft ihr für Europas Identität – während sich Newmann, Lewis, Sayers und Tolkin im Grabe rumdrehen.