SPD wirbt um SED-Mitglieder

Berlin (DT/dpa) Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel hat den reformorientierten Kräften in der Linkspartei auch mit einer SED-Vergangenheit die Aufnahme bei den Sozialdemokraten angeboten. „Kommt zu uns, Genossen. Herzlich willkommen in der SPD“, sagte er in einem im Magazin „Stern“ veröffentlichten Gespräch mit Linke-Fraktionsvize Dietmar Bartsch. Eine frühere SED-Mitgliedschaft soll laut Gabriel dafür kein Hinderungsgrund mehr sein. Gabriel korrigierte damit die vor zwei Jahrzehnten getroffene Entscheidung seiner Partei, früheren SED-Mitgliedern den Wechsel zur SPD zu verweigern. „Ich wünsche mir, dass wir nicht jedem Straftäter mehr Resozialisierungschancen geben als jemandem, der mal in der SED war“, sagte er. In der Linkspartei sähen viele mit Entsetzen, was in ihrer Partei passiere. Jeder von denen, die eine Mitte-Links-Politik wollten, finde in der Sozialdemokratie eine Heimat. Zu einem Teil der Linkspartei seien die Unterschiede zur SPD „überschaubar“. Er würde deshalb nicht zuerst fragen: „Hast du dich schon 33 Mal von deiner Biografie distanziert?“ Ein Angebot von Ämtern und Mandaten für übertrittswillige Politiker lehnte Gabriel aber ab. Jemand wie Bartsch könne sofort in die SPD wechseln. Auch für eine Rückkehr des Ko-Vorsitzenden der Linken, Klaus Ernst, in die SPD zeigte sich Gabriel offen. Dessen Werdegang sei der „eines engagierten Gewerkschafters, der sich in die Linkspartei verirrt hat“. Der frühere SPD-Vorsitzende Oskar Lafontaine hingegen werde vermutlich aber gar nicht erst auf die Idee kommen, zurückzukehren.

Bartsch reagierte auf das Angebot verhalten: „Um mich dorthin zu kriegen, müsste die Linke sich so entwickeln, dass sie nicht mehr meine Partei wäre.“ Die Linke dürfe aber keine Partei sein, die vor allem aus der Abgrenzung zur SPD ihre Existenzberechtigung ableite.