Reichlich kopflos

Becks Bart stiehlt Schillers Schädel die Show

Von Markus Reder

Eigentlich hätte es heute an dieser Stelle um Friedrich Schiller gehen sollen, ja müssen. Weimar, der Dichterfürst, sein Haupt, ein DNA-Test, wilde Spekulationen, Exhumierungen, Untersuchungen, dann der Beweis: Schillers Schädel ist nicht Schillers Schädel. Welch ein Drama! Weimar steht Kopf, weil Schillers Schädel fehlt. Was wäre dazu nicht alles zu sagen. Goethe ließe sich wunderbar zitieren, die gymnasiale Bildung ein bisschen Gassi führen. Doch das geht einfach nicht. Man kann heute nicht über Schillers Schädel schreiben, ohne auf Kurt Beck zu sprechen zu kommen.

Nun haben Schiller und Goethe mit Beck und der SPD so viel gemein wie der Schädel in Schillers Grab mit Friedrich Schiller, nämlich nichts. Und doch raubt Becks Bart Schillers Schädel in diesen Tagen die Aufmerksamkeit. Auf einer DGB-Kundgebung hatte der SPD-Chef in Aussicht gestellt, sich von seinem Bart zu trennen. „Für eine Million Euro, für einen guten Zweck.“ Unter tatkräftiger Unterstützung einer großen Boulevard-Zeitung machte diese Randbemerkung die Runde und erschüttert nun das politische Deutschland. Wortmeldungen überschlagen sich. Während die einen nun auf eine Politik ohne Bart hoffen, sprechen andere Becks Bart das Bartsein ab. So urteilt etwa Erwin Fetscher, der Präsident des Verbandes Deutscher Bartclubs. „Was Herr Beck da im Gesicht hat, ist doch kein Bart, das ist bestenfalls unrasiert.“ Wer dafür ein Million bezahle, sei selber schuld.

Wenn also Schillers Schädel nicht Schillers Schädel ist und Becks Bart nach Expertenauskunft gar kein Bart: Worauf kann man sich dann bitte heute überhaupt noch verlassen? Gibt es noch Gewissheiten? Wir sehen schon die nächste Schock-Schlagzeile vor uns: Stiftung Weimarer Klassik räumt ein „Schillerlocken sind nicht von Schiller“. Und die SPD meldet eines schönen Tages: „Beck geht, aber der Bart bleibt“.