Reform der Organspende

Berlin (DT/KNA) Die Einigung der Politik beim Thema Organspende ist auf geteiltes Echo gestoßen. Kritik kam vor allem von der Deutschen Hospiz Stiftung und den Christdemokraten für das Leben (CDL). Politiker und die Ärztekammer äußerten sich zufrieden. Eine Spitzenrunde aus Bundesregierung und allen Fraktionen hatte sich am Donnerstag darauf geeinigt, Organspenden neu zu regeln. Danach soll jeder Erwachsene regelmäßig nach seiner Bereitschaft zur Organspende gefragt werden. 2011 war die Zahl der Spender gegenüber dem Vorjahr um 7,4 Prozent gesunken. Die Bundesärztekammer begrüßte „das Ende des jahrelange Hickhacks“. Andere denkbare Wege hätten im Bundestag niemals eine Mehrheit bekommen, sagte ihr Präsident Frank Ulrich Montgomery.. Nun müsse der Kompromiss ohne neuerliche Diskussion schnell verabschiedet werden. Die Deutsche Hospiz Stiftung bezeichnete die Gesetzinitiative als enttäuschend. Der Geschäftsführende Vorstand Eugen Brysch betonte, auf diesem Weg werde die Zahl der gespendeten Organe nicht ansteigen. Der Politik falle nichts anderes ein, als den Druck auf Krankenhäuser zu erhöhen, „penetrante Werbung“ zu machen. Der Vorschlag ziele „faktisch auf eine Zwangsbefragung ab, um die Zahl der Organspender zu erhöhen“, kritisierte die CDL-Bundesvorsitzende Mechthild Löhr. Sie kündigte eine Prüfung des Gesetzentwurfs auf seine Übereinstimmung mit der Verfassung an. Der CDU-Politiker Jens Spahn bezeichnete in der ARD eine bessere Information der Versicherten als „großen Fortschritt“. Zwei Drittel der Deutschen seien nach eigener Aussage zur Organspende bereit, aber sie füllten den Ausweis nicht aus. „Wir wollen penetranter dafür werben“, so der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion. Derzeit gilt die Regelung, wonach ein Bürger einer Organspende ausdrücklich zustimmen muss. Die Kirchen pochen auf das Prinzip der Freiwilligkeit. „Organspender und -empfänger dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden“, sagte der Berliner Kardinal Woelki vor wenigen Wochen.