In dieser Woche mit Stimmen zur Klimadebatte, Kardinal Pell, Katholiken in China und Gewalt in Mexiko.

Pressestimmen vom 28.08.2019

Über den Ozean ins Gelobte Land

„The Irish Catholic“ (Dublin) zieht einen Vergleich zwischen Greta Thunbergs Atlantiküberquerung und den Kinderkreuzzügen:

Jeder große Erfolg der Grünen war ein blinder Alarm, und jeder angekündigte Weltuntergang wurde verschoben – so wie bei jenen amerikanischen Predigern, die alle paar Jahre voraussagen, dass die Welt nächsten Montag untergehen wird, und dann von den Fernsehkameras gedemütigt werden, die ihre Verwirrung über den Fortbestand der Welt dokumentieren. Jetzt haben sie sich einem Kind mit einer inspirierenden Botschaft zugewandt. Sie folgen ihr nach, nicht im Kreuzzug durch die Alpen, sondern im Geiste, während sie über den Ozean ins Gelobte Land segelt. Einige scheinen fast zu glauben, dass der Himmel sie geschickt hat. Jugendliche werden ermutigt, ihr Beispiel nachzuahmen und der Schule fernzubleiben, um ihr in ihrer heiligen Mission zu helfen. Es ist Frau Thunberg sehr zugute zu halten, dass sie keine Lösungen anbietet. Sie fordert nur eins: dass die Welt ihre Botschaft hört und etwas tut. Was dieses Etwas ist, bleibt vage, aber sie ist auch nur ein 16-jähriges Mädchen: noch nicht alt genug, um zu wählen, geschweige denn, die Welt eigenhändig zu retten. Sie ist nicht das Interessante an der Geschichte: Interessant sind die Menschen, die ihr nachfolgen – wieder einmal überzeugt, dass in der Stimme eines Kindes die Lösung für einen Kampf liegt, den Generationen von Erwachsenen nicht gewinnen konnten. Der erste Historiker, der ausführlich über den Kinderkreuzzug schrieb, der deutsche Psychologe Justus Hecker, beschrieb die Ereignisse von 1212 als Symptome einer krankhaften religiösen Hysterie, die den Kontinent erfasst hatte. Ich frage mich, wie viele Anhänger von Thunberg ihm zustimmen würden.


Verurteilung von Pell ist keine Frage seiner Ekklesiologie

Der US-amerikanische „National Catholic Reporter“ kommentiert die Bestätigung des Urteils gegen Kardinal Pell im ersten Berufungsverfahren:

Keiner von uns weiß mit absoluter Sicherheit, was zwischen Pell und dem jungen Mann vorgefallen ist, der behauptet, dass Pell ihn missbraucht hat. Es ist niederschmetternd, dass jemand, den man einmal bewundert hat, etwas so Böses getan haben soll wie ein Kind zu missbrauchen. Pells Freunde machen jetzt das durch, was McCarrick's Freunde im letzten Jahr durchgemacht haben: Sie fragen sich, warum das Böse nicht aufgedeckt wurde, und sind unsicher, ob sie dadurch, dass sie es nicht gesehen haben, nicht mitschuldig geworden sind. Solche emotionalen Reaktionen sind sinnlos, aber sie sind trotzdem vorhanden. Was wir als Kirche gelernt haben, ist, dass Kindesmissbrauch sowohl von Konservativen als auch von Liberalen, von denen an der Spitze der Hierarchie und von einfachen Pfarrern, von großen und kleinen, dünnen und dicken Priestern begangen wurde, dass die Krankheit viele Priester in vielen verschiedenen Situationen befallen hat. Wir haben auch gelernt, welche Schritte unternommen werden müssen, um die Kinder zu schützen, und welche Schritte unternommen werden müssen, um die Kultur der Vertuschung zu beenden, durch die das Krebsgeschwür sich so lange verbreiten konnte. Ich fühle mit Pells Freunden, aber sie müssen sich mit der Realität abfinden: Es ist praktisch unmöglich zu glauben, dass Pell vollkommen unschuldig ist. Das ist keine Anklage gegen seine Ekklesiologie. Es schmälert seine Leistungen nicht. Aber das Gleiche könnte man über McCarrick sagen. Die Heuchelei, die beiden Männer unterschiedlich zu behandeln, muss aufhören.


Misstrauen gegen Katholiken in China

Der Mailänder „Avvenire“ schreibt mit Blick auf die chinesischen Katholiken:

In Peking fragt man sich, welche Position die Katholiken einnehmen. Dabei blickt man auf jene, die Trump unterstützen und die antichinesische Stimmung teilen, die heute in den Vereinigten Staaten weit verbreitet ist. Um die Dinge noch weiter zu komplizieren, gab es Reaktionen auf die „Pastoralen Leitlinien für die Registrierung des chinesischen Klerus“, durch die der Heilige Stuhl die Untergrundbischöfe ermutigte, sich offiziell anerkennen zu lassen, aber auch weiterhin bestehende Probleme deutlich zum Ausdruck gebracht. [...] Aber Papst Franziskus' Offenheit [...] sind für die Behörden in Peking ein wichtiger Bezugspunkt.


Auch politische Korrektheit birgt Gewalt

„Desde la Fe“ (Mexiko-Stadt) appelliert, sich gegen die Gewalt in der Gesellschaft zu engagieren:

Mexiko muss einen normalen und stabilen Weg zu Rechtsstaatlichkeit[...] finden. [...] Wir dürfen uns nicht zufriedengeben mit Gesprächsrunden, in denen nicht miteinander gesprochen wird, sondern jeder Teilnehmer eigene Interessen vertritt [...]. Viel Gewalt kann sich – unterschwellig oder explizit, [...] – auch zwischen den Zeilen politischer Korrektheit verbergen.