Presse: Unwissen wird zur Tugend

Die Pariser Zeitung „France Catholique“ kommentiert das Kruzifix-Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte:

Wie war das erste Urteil möglich? Sicher muss man in Betracht ziehen, dass es seit einigen Jahren eine erbitterte Diskussion um die Frage der christlichen Wurzeln der westlichen Zivilisation gibt: Einige ignorieren diese und andere wollen sie sogar in Vergessenheit geraten lassen. Ich habe diesbezüglich einen Artikel gelesen, der mir im Hals stecken geblieben ist: Ein Journalist bedauerte die Opposition in Italien und begrüßte die Gleichgültigkeit der Jugendlichen. Unwissen wird zu einer Tugend gemacht, die der Kollege sogar gesetzlich verankert sehen möchte. Es gilt also wachsam zu bleiben!

Krisenmanagement braucht Ethik

Die Internetseite „Japan Catholic News“ fordert ethische Entscheidungen angesichts des gegenwärtigen Notstands:

Die japanischen Autoritäten müssen auch lernen, in einer Krise Entscheidungen zu fällen. Scheinbar wurde, zumindest am Anfang, bei vielen Entscheidungen dem Profit ein höherer Wert zugemessen als dem menschlichen Leben. So soll die TEPCO zunächst kein Meerwasser zur Kühlung der Reaktoren benutzt haben, weil sie besorgt gewesen sei über Salzwasserschäden an den Anlagen. Das verweist auf ein größeres Problem im Krisenmanagement, und zwar nicht nur in Japan, sondern weltweit: die mangelnde Vorbereitung darauf, in Notfällen ethische Entscheidungen zu treffen.

Energie: Nüchterne Diskussion erforderlich

In den Vereinigten Staaten schreibt die katholische Wochenzeitung „The Wanderer“ zur Energiedebatte:

Wir haben zwei Möglichkeiten: Wir können uns entweder weiterhin dem Ölkartell ausliefern – und irgendwelchen islamischen Extremisten, falls diese die Ölfelder im Nahen Osten unter ihre Kontrolle bekommen. Oder wir können versuchen, unsere Energiezufuhr unabhängig zu machen, indem wir uns alle Energiequellen im Inland und vor unseren Küsten zu Nutze machen und gleichzeitig eine aussichtsreiche, realistische, politisch unabhängige Forschung nach Ersatztreibstoffen finanzieren. Das eine schließt das andere nicht aus. Es ist an der Zeit, dieses Problem mit klarem Kopf anzugehen und keine fromme Effekthascherei zu treiben.

Buße zeigt Barmherzigkeit Gottes

Die Mailänder Tageszeitung „Avvenire“ kommentiert die Ansprache Benedikts XVI. an die Apostolische Pönitentiarie:

Der Papst spricht über das, was in der Buße geschieht, einem Sakrament, das heute aus der Mode gekommen ist und das schon wegen seines Namens allgemein abgelehnt wird. Buße? Wofür? Wir fordern, wir protestieren, wir klagen an – vorzugsweise die anderen –, aber wie altertümlich und unangenehm klingt doch der Begriff „Buße“: über sich selbst nachdenken, Demut, Niederknien... Bei dieser oberflächlichen Abneigung vergessen wir die andere, die größere Seite dieses Sakraments: die Barmherzigkeit Gottes, die den Menschen und seine zerschundene Seele wieder neu macht.