Presse: Liebe deinen Nächsten mehr als dich selbst

Die römische Tageszeitung „La Repubblica“ schreibt zum dritten Jahrestag der Wahl von Papst Franziskus:

Barmherzigkeit ist ein Geschenk, die treibende Kraft des Christentums, das herausragende Merkmal Gottes. Ihre Definition liegt in dem Wort: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, das die Selbstliebe legitimiert, solange sie mit ebenso großer Nächstenliebe geteilt wird. Der Heilige Vater hat angesichts der düsteren Zeit, in der wir leben, dieses Wort modifiziert und sagt: „Liebe deinen Nächsten mehr als dich selbst“. Das ist seine Revolution, die auf die Politik übergreift. Die Politik muss die in unserer Zeit erforderlichen Werte annehmen. Der Wert, den Nächsten mehr zu lieben als sich selbst, wird vor allem durch Sozialpolitik, Vollbeschäftigung, Unterstützung der Schwächeren, Inklusion, Erziehung zur öffentlichen Ethik, Kompetenz, Ehrlichkeit umgesetzt. Denken wir an die Korruption, denken wir an die Flüchtlinge und Migranten: Dann erkennen wir das politisch-religiöse Bewusstsein von Papst Franziskus.

Anti-Evangelium der Kriegstreiber

Der „Catholic Herald“ (London) lobt die Entscheidung des Franziskanerordens, trotz der Lage in Syrien präsent zu bleiben:

Franz von Assisi liebte jeden Menschen, und die Anwesenheit seiner Ordensbrüder in der Konfliktzone ist ein Zeichen für den einzigen Weg, diesen Konflikt zu beenden: Liebe und Vergebung. Alle kriegsführenden Parteien in Syrien müssen die universale Nächstenliebe entdecken. Die Alternative – liebe deine Freunde, hasse deine Feinde: das Credo des IS und des Assad-Regimes – ist so furchtbar und ihre grauenhaften Früchte so offensichtlich, dass sie eine Art Anti-Evangelium ist.

Extreme Positionen führen zu Stillstand

Die US-Tageszeitung „Washington Post“ kommentiert die zunehmende Polarisierung der amerikanischen Politik:

Polarisierung ist kein Grundfehler unseres Verfassungssystems. Auch im britischen System gibt es Polarisierung: zwei gegensätzliche Parteien und nur wenige Verhandlungen zwischen ihnen. Bei uns wird sie jedoch verschärft durch die extreme Gewaltentrennung mit ihren vielen Vetorechten. Wenn diese auf extreme Gegenpositionen stoßen, kommt es zum Stillstand. Das stellte in den frühen Tagen der Republik, als die heutige Verflechtung von Wirtschaft, Recht und Gesetz unvorstellbar war und nicht viele Gesetze erlassen wurden, kein Problem dar. Heute ist dieser Stillstand eine Katastrophe.

Unsere chaldäischen Freunde unterstützen

In Paris ruft „France Catholique“ zur Solidarität mit den chaldäischen Christen auf:

Darf man noch hoffen, dass der massive Exodus nicht das endgültige Ende der chaldäischen Kirche im Irak bedeutet? Die Situation muss sich grundlegend wandeln, damit eine auch nur partielle Rückkehr dorthin stattfinden kann, wo das Christentum von seinen Anfängen an präsent war. Wichtig ist in der aktuellen Lage, dass unsere chaldäischen Freunde durch unsere Solidarität den Frieden zurückerlangen, während sie weiter in der Sprache des Herrn beten.