Presse: Die politische Brisanz der Worte

Die US-amerikanische Wochenzeitschrift „Crux“ schreibt anlässlich des Papstbesuchs in Myanmar und Bangladesch:

Als Papst Paul VI. in den Nahen Osten reiste, war man gespannt, ob er das Wort „Israel“ benutzen (...) würde. Als Papst Benedikt ein Vierteljahrhundert später nach Israel ging, warteten viele Juden darauf, ob der deutsche Papst den Holocaust mit dem hebräischen Wort als „Shoah“ bezeichnen würde. Als Papst Franziskus 2016 Armenien besuchte, fragte man sich, ob er es wagen würde, den Massenmord an Armeniern als „Völkermord“ zu bezeichnen (...) Auf seiner jetzigen Reise nach Myanmar und Bangladesch geht es darum, ob er Myanmars unterdrückte muslimische Minderheit offen als „Rohingya“ bezeichnen wird(...).

Die Kirche ist nicht in den 60er Jahren entstanden

„The Catholic Herald“ (London) beklagt fehlende Feiern zum Gedenken an den Tod der Apostel Petrus und Paulus :

Man muss immer wieder betonen, dass die Kirche in den 1960er Jahren nicht neu entstanden ist. Wie können wir darlegen, dass wir an das glauben, was die Apostel gelehrt haben, in einer Zeit, die Neuheit und Fortschritt feiert? Die Reformation erhob den Anspruch, apostolisch zu sein – sonst hätte sie nicht christlich sein können –, behauptete aber gleichzeitig, dass die Lehre der Kirche über den Glauben der Apostel seit mehr als 1 000 Jahren falsch war. Die katholische Gegenreformation antwortete, indem sie das Glaubenserbe erneut formulierte, aber das praktische Resultat war, dass die katholische Lehre jahrhundertelang mehr auf das Konzil von Trient, als auf die Bibel und die Apostel geschaut hat.

Recht auf Religionsfreiheit nicht anderen „Rechten“ opfern

Der „Catholic Weekly“ (Sydney) kommentiert den Ausgang des Referendums vor zwei Wochen über die Homo-„Ehe“ in Australien:

Wenn wir ein gesetzliches „Recht“ schaffen, eine gleichgeschlechtliche Person zu heiraten, dürfen wir das Recht auf Religionsfreiheit und andere Freiheiten nicht dagegen eintauschen. In der australischen Öffentlichkeit gibt es Raum für beide. Gewiss übersteigt es nicht den Verstand und den guten Willen unserer Politiker, beides zu fördern.

Den christlichen Kern der Werte vermitteln

Im Tessin verweist „Il Giornale del Popolo“ darauf, dass auch die säkularen Werte einen christlichen Ursprung aufweisen:

In letzter Instanz liegt das Christentum am Ursprung jener Werte (Freiheit, Laizität des Staates, Familie, um nur einige zu nennen), die seit Jahrhunderten ein Eigenleben angenommen haben, von ihrer Quelle getrennt. Während das politische Streben, jene Werte in den Gesetzen demokratisch zu wahren, legitim ist, ist es die vorrangige Aufgabe der Kirche, allen Menschen in Freiheit den Kern des Christentums zu vermitteln: Dieses ist auch die Quelle einer möglichen Neuformulierung jener Werte für das Wohl der Menschen.