Rom

Porträt der Woche: Sergio Mattarella

Inmitten der Streitigkeiten um eine neue Regierungsbildung in Italien kann man Staatspräsident Sergio Mattarella als Säule im Chaos bezeichnen

Sergio Mattarella
Der Präsident brach seinen Urlaub ab und machte sich daran, Italien möglichst schnell eine neue Regierung zu geben. Foto: dpa

Wer in den europäischen Metropolen darauf wartet, dass Italien seine Berufung als Gründungsland der Europäischen Union wiederfindet und an die Schaltzentralen zurückkehrt, um die großen Herausforderungen des Kontinents – Brexit, amerikanisch-chinesischer Handelskrieg, Rezession und Flüchtlingswelle – anzugehen, der setzt seine Hoffnungen derzeit auf Sergio Mattarella. Der italienische Staatspräsident ist wieder einmal der letzte Anker, der das Land vor dem innenpolitischen Chaos bewahren kann.

Salvini begeht Akt beispiellosen Größenwahns

Das war schon 2013 so. Nach den Nationalwahlen war eine Patt-Situation entstanden, die der Ex-Kommunist Giorgio Napolitano löste, indem er als Staatspräsident die von Berlusconi und der Linkspartei gleichermaßen getragene Regierung des gemäßigten Linksdemokraten Enrico Letta installierte. Während des Sommertheaters der vergangenen Wochen war die Situation ungleich schwieriger. In einem Akt beispiellosen Größenwahns hatte sich der Nationalist Matteo Salvini selbst ins Knie geschossen und von einem seiner Lieblingsstrände aus das Ende der Koalition mit der Fünf-Sterne-Bewegung erklärt und Neuwahlen gefordert.

Das Land mitten in der Sommerpause und vor den schwierigen Haushaltsverhandlungen im Herbst in eine Zeit des Wahlkampfs zu stürzen, hätte katastrophale Folgen gehabt. Mattarella war gefragt. Der Präsident brach seinen Urlaub ab und machte sich daran, Italien möglichst schnell eine neue Regierung zu geben.

Mattarella sieht nicht aus wie ein gewiefter Politiker

Dabei sieht der gebürtige Sizilianer gar nicht aus wie ein gewiefter Politiker. Den Kopf leicht in die Schultern gedrückt und mit melancholischem Blick scheint der 78-Jährige auch äußerlich ein Leben widerzuspiegeln, das nicht frei von Schicksalsschlägen war. Sein Bruder Persanti, Präsident der Region Sizilien, wurde 1980 von der Mafia ermordet. Seine Frau Marisa Chiazzese, mit der er drei Kinder hatte, verlor er 2012.

Nach dem Untergang der "Democrazia cristiana" ins linke Lager

Von Hause aus Jurist und Bildungsminister unter Giulio Andreotti, ging Mattarella den Weg vieler Christdemokraten nach dem Untergang der „Democrazia cristiana“ ins linke Lager: Über die DC-Nachfolgepartei „Partito Populare Italiano“ von Rocco Buttiglione hin zu den Linksdemokraten, dann zum Mitte-Links-Bündnis „L?Ulivo“, wo er zu einem der Gründungsväter des heutigen „Partito democratico“ wurde, der Partei, die nun die „Lega“ in der Regierungskoalition ersetzen soll. Mattarella ist ein Fachmann für Verfassungsrecht. Bei ihm ist Ex-Innenminister und Lega-Chef Salvini, der von sich aus Neuwahlen ansetzen und selber Regierungschef werden wollte, einfach an den Falschen geraten.