Papst ruft G8 zum Kampf gegen Armut und Gewalt auf

Treffen in Nord-Irland soll zu Waffenstillstand im Krieg um Syrien beitragen – Merkel schließt Waffenlieferungen an Rebellentruppen aus

Eher unwahrscheinlich, dass Großbritanniens Premier David Cameron (rechts) Russlands Präsident Wladimir Putin auf dem G8-Gipfel vom Syrien-Kurs Washingtons und Londons überzeugen kann. Foto: dpa
Eher unwahrscheinlich, dass Großbritanniens Premier David Cameron (rechts) Russlands Präsident Wladimir Putin auf dem G8... Foto: dpa

Rom/Berlin/Dublin (DT/KNA/dpa) Vor dem G8-Gipfel in Nord-Irland hat Papst Franziskus die Teilnehmer zu entscheidenden Schritten gegen Armut und Gewalt aufgerufen. So sollten sie ihren gemeinsamen Kampf gegen die Geißel des Hungers verstärken, schrieb der Papst in einem Brief an den britischen Premierminister David Cameron, den der Vatikan am Sonntag veröffentlichte. Auch der Weltfrieden sollte nach Ansicht des Papstes eine Rolle bei dem Gipfel spielen. Er hoffe, dass das Treffen zu einem schnellen Waffenstillstand im syrischen Bürgerkrieg und zum Beginn von Verhandlungen zwischen den Kriegsparteien beitragen werde, schrieb er.

Zudem regte der Papst an, den Schutz von Frauen und Kindern vor sexueller Gewalt in Konfliktgebieten in den Blick zu nehmen. Ob dabei oder beim Kampf gegen den Hunger – immer sei der Frieden die Grundvoraussetzung für die Lösung der Probleme. Weiter hob der Papst hervor, die derzeitigen ökonomischen Krisen seien der Beweis dafür, dass ethische Werte auch für die Wirtschaft zu gelten hätten. Der Mensch „ist nicht einfach ein weiterer ökonomischer Faktor oder ein verfügbares Gut, sondern er besitzt ein Wesen und eine Würde, die nicht auf wirtschaftliche Kalkulation reduziert werden können“. Das Ziel von Wirtschaft und Politik müsse sein, dem Menschen zu dienen, nicht ihn zu beherrschen. Jeder Mensch müsse im Mittelpunkt von Wirtschaft und Politik stehen, denn der Mensch sei für beide die „wahrhaftigste und tiefste Ressource“. Franziskus antwortete damit auf ein vom Vatikan veröffentlichtes Schreiben des britischen Regierungschefs vom 5. Juni, in dem er dem Papst die Schwerpunkte für den Gipfel der acht wichtigsten Industrienationen im nordirischen Lough Erne erläuterte. Großbritannien hat derzeit turnusgemäß die Präsidentschaft der Ländergruppe inne.

Bei der bis Dienstag andauernden Konferenz der sieben führenden westlichen Industrienationen und Russlands legt Bundeskanzlerin Angela Merkel neben dem Syrienkonflikt einen Schwerpunkt auf Fortschritte im Kampf gegen Steuersünder. US-Präsident Barack Obama will mit Russlands Staatschef Wladimir Putin über den Bürgerkrieg in Syrien sprechen. Merkel schließt die Lieferung von Waffen an die syrische Opposition weiterhin strikt aus. „Wir beteiligen uns auf keinen Fall an Waffenlieferungen“, sagte sie am Montag vor der Abreise zum G8-Gipfel im Fernsehsender RTL. Ziel müsse jetzt sein, eine politische Lösung zustande zu bringen. „Wichtig ist, dass ein politischer Prozess in Gang kommt. Allein militärisch wird das nicht zu lösen sein.“ Mit dem strikten Nein zu Waffenlieferungen im Gegensatz zu Partnern wie den USA, Frankreich und Großbritannien sei Deutschland aber nicht isoliert. „Deutschland steht nicht abseits.“ Merkel kündigte an, auf dem G8-Gipfel einen neuen Versuch zu unternehmen, Russland in eine Friedenslösung für Syrien einzubinden. „Russland hat leider bis jetzt mehrere Resolutionen im Sicherheitsrat verhindert. Vielleicht kommen wir bei diesem Thema jetzt voran.“ Bei dem Treffen in Nordirland werde es aber „sicherlich an mancher Stelle auch kontroverse Beratungen“ geben.

Der melkitische Patriarch Gregorios III. Laham fordert unterdessen mehr Einheit der syrischen Kirchen. Gerade jetzt, da sich die Situation zuspitze, müsse die syrische Ortskirche eine gemeinsame Stimme haben, sagte der Patriarch in Berlin der Katholischen Nachrichten-Agentur am Rande einer Reise syrischer Repräsentanten nach Deutschland. Auch die deutsche Politik spiele mit ihrer militärischen Zurückhaltung eine wichtige Rolle. Zusammen mit anderen westlichen Ländern könne sie Einfluss auf den Konflikt in Syrien nehmen, betonte der Patriarch der mit Rom unierten Kirche: „Wir brauchen ein großes Zeichen der Solidarität nicht nur für die Kirche, sondern für die Menschen.“ Der Konflikt habe viel Zerstörung gebracht; die Kirchen müssten helfen, wiederaufzubauen. Der Patriarch wertete es als wichtig, dass die Menschen in Deutschland die Stimme der Ortskirche in Syrien hörten „und nicht nur die immer gleiche Medienberichterstattung“.