Papst Franziskus eröffnet das Heilige Jahr der Barmherzigkeit

Ziel ist, zu „entdecken, dass Gott ein barmherziger Vater ist“ – Benedikt XVI. nimmt an Öffnung der Heiligen Pforte im Vatikan teil

Während seiner Afrikareise öffnete der Heilige Vater bereits in der Kathedrale von Bangui eine Heilige Pforte. Mit der Öffnung der Heiligen Pforte im Petersdom beginnt das außerordentliche Heilige Jahr heute offiziell. Auf Wunsch des Papstes wird es auch in den Ortskirchen in bes... Foto: dpa
Während seiner Afrikareise öffnete der Heilige Vater bereits in der Kathedrale von Bangui eine Heilige Pforte. Mit der Ö... Foto: dpa

Vatikanstadt/Würzburg (DT/KNA) Heute eröffnet Papst Franziskus das Heilige Jahr der Barmherzigkeit. Die Eröffnungszeremonie beginnt mit Lesungen aus den vier Konstitutionen des Zweiten Vatikanischen Konzils. Bei der Feier öffnet Papst Franziskus die Heilige Pforte des Petersdomes und zelebriert in der Basilika eine Messe. Auch Benedikt XVI. nimmt laut Mitteilung des Vatikan an der Eröffnungsfeier des Heiligen Jahres teil. Der emeritierte Papst folgt damit einer Einladung von Papst Franziskus. In den vergangenen Wochen hatte Franziskus seinen Vorgänger mehrfach zitiert, wenn es um den Zusammenhang von Barmherzigkeit und Wahrheit ging.

Der 8. Dezember 2015 ist der 50. Jahrestag des Endes des Zweiten Vatikanums. Für den Abend war auf dem Petersplatz eine große Lichtvorführung im Zeichen von Umwelt- und Klimaschutz geplant. Unter dem Motto „Fiat Lux (Es werde Licht): Unser gemeinsames Haus erleuchten“ werden dabei Fotos namhafter Fotografen in Riesenformat auf die Fassade und die Kuppel des Petersdoms geworfen. Am kommenden Sonntag werden laut Erzbischof Salvatore Fisichella erstmals in der Geschichte der Jubeljahre die Heiligen Pforten aller Kathedralen weltweit am selben Tag geöffnet. Der Papst wird an diesem Tag die der Lateranbasilika aufstoßen, seiner eigentlichen Bischofskirche als Bischof von Rom. Am Freitag, den 18. Dezember, will Franziskus ein Caritas-Heim in Rom für Notleidende besuchen. Auch in den künftigen Monaten des Heiligen Jahres werde er jeweils an einem Freitag eine solche symbolische Geste der Barmherzigkeit vollziehen, um an das Motto des Kirchenereignisses zu erinnern, so Fisichella. Die Besuche in den verschiedenen römischen Einrichtungen sollen im privaten Rahmen stattfinden.

Bei den zahlreichen Großereignissen des Heiligen Jahres werden nach den Worten des Erzbischofs bis zu 1 000 Freiwillige für die Pilger im Einsatz sein. Insgesamt werden bis zum Ende des Jubeljahres am 20. November 2016 bis zu 33 Millionen Pilger in Rom erwartet. Für sie ist in der Via della Conciliazione ein zentrales Empfangsbüro eingerichtet. Dort erhalten sie die kostenlosen Tickets zum Durchschreiten der Heiligen Pforten am Petersdom und den vier übrigen römischen Papstbasiliken sowie die Bestätigungsurkunde. In Verbindung mit Gebet, Buße und Eucharistie erlangen die Pilger nach katholischem Glauben einen Ablass ihrer Sündenstrafen.

Das Heilige Jahr ist ein Jubiläumsjahr in der katholischen Kirche. Es wird regulär alle 25 Jahre begangen. Biblisches Vorbild ist das Jubeljahr (Levitikus 25), ein alle 50 Jahre begangenes Erlassjahr. Das erste Heilige Jahr wurde 1300 von Papst Bonifatius VIII. (1294–1303) ausgerufen. Ursprünglich als Jahrhundertereignis gedacht, wurde es zunächst im Abstand von 50 und dann 33 Jahren wiederholt. Der Rhythmus von 25 Jahren besteht seit 1470. Zentrale Elemente der Heiligen Jahre wurden die Rom-Wallfahrt, die Heilige Pforte und der Ablass. Zum Ritual gehörte der Besuch bestimmter Kirchen in Rom. Heute gehören acht Pilgerorte dazu, darunter der Petersdom, die Lateranbasilika, die Basilika Santa Maria Maggiore und die Katakomben. Neben den „ordentlichen“ Heiligen Jahren gab es wiederholt außerordentliche Jubiläen, etwa 1566 angesichts der Bedrohung durch die Türken, 1605 zum Amtsantritt von Papst Paul V., 1983 als besonderes Gedenkjahr der Erlösung, 1987 mit dem Themenschwerpunkt Maria und 2008 anlässlich der Geburt des Apostels Paulus vor 2 000 Jahren. Im Jubeljahr 2000 kamen rund 25 Millionen Pilger und Besucher nach Rom.

Auf Wunsch des Papstes soll das außerordentliche Heilige Jahr der Barmherzigkeit nicht nur in Rom, sondern in allen Ortskirchen begangen werde. Auch in ausgewählten Kirchen der 27 deutschen und neun österreichischen Diözesen werden Pforten geöffnet. In den Diözesen können es Heilige Pforten in der Bischofskirche, einer anderen bedeutenden Kirche oder einem wichtigen Wallfahrtsort sein. Die Entscheidungen treffen die Bischöfe. Wer wissen möchte, welche Heilige Pforte in der Nähe seines Wohnortes liegt, kann etwa auf der Internetseite der Deutschen Bischofskonferenz seit Montag eine Karte konsultieren. Auf dem Portal informiert zudem ein Heiligjahrkalender über einzelne Veranstaltungen und Termine in den Diözesen.

An Aschermittwoch will der Papst „Missionare der Barmherzigkeit“ aussenden, Priester, „die sich durch Geduld auszeichnen und ein besonderes Verständnis für Menschen in Grenzsituationen haben“, wie die Bischofskonferenz erläutert. Sie haben spezielle Vollmachten und können von Sünden lossprechen, von denen sonst nur der Heilige Stuhl freisprechen kann.

Der Heilig-Jahr-Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, der Würzburger Weihbischof Ulrich Boom, spricht von einem „Exerzitienjahr“. Zur Katholischen Nachrichtenagentur (KNA) sagte er: „Wir teilen mit der Welt ,Freude und Hoffnung, Trauer und Angst‘. Dies sollen wir uns noch einmal in diesem ,Exerzitienjahr‘ selbst im Herzen klar machen. Barmherzigkeit dürfen wir nicht vor uns hertragen. Wir können gar nicht so barmherzig sein, wie wir sein sollen oder manchmal auch wollen. Jeder sollte deshalb bei sich entdecken: Du bist ein Mensch mit Schuld, Versagen, Sünde, Scheitern. Und da begegnet mir der barmherzige Gott. Das ist die Kraft meines Lebens.“

Viel wurde seit der Ankündigung des Heilgen Jahres durch den Papst darüber spekuliert, was Franziskus dazu veranlasst habe. Vor kurzem hat sich der Heilige Vater selbst dazu geäußert. In einem Interview mit der italienischen Zeitschrift „Credere“, über das die „Catholic News Agency“ (CNA) berichtete, bezog sich der Papst auf Johannes Paul II. und meinte: „Ich habe gemerkt, dass man etwas tun muss, um diese Tradition weiterzuführen.“ In seiner ersten Predigt als Papst, am 17. März 2013 in der Pfarrei Sankt Anna, habe er über die Barmherzigkeit gesprochen: „Das war keine Strategie, das kam aus meinem Inneren: Der Heilige Geist will etwas.“ Es sei „offensichtlich, dass die heutige Welt der Barmherzigkeit bedarf, Mitleid braucht“. Die Welt heute habe es nötig, „zu entdecken, dass Gott ein barmherziger Vater ist, dass Grausamkeit kein Weg sein kann“, so Franziskus.