Nicht lustig, sondern philosophisch

Von Wegweisern, die nicht dorthin gehen, wohin sie weisen

Von Johannes Seibel

Achtung, gleich wird es nicht lustig, sondern philosophisch. Pardon, das ist nicht zum Lachen. Denn das ist nicht nur nicht lustig, sondern geradezu lustfeindlich, weil es nämlich noch schlimmer kommt – katholischmoralphilosophisch.

Vorsicht, liebe Leserinnen und Leser, jetzt bloß nicht an der falschen Stelle mit den Mundwinkeln zucken, die Augenbrauen heben oder mit der Stirn runzeln, denn es könnte sie jemand beobachten, und wenn der spitzbekommt, dass sie sich mit katholischer Moralphilosophie beschäftigen, wer weiß, was der von ihnen denkt ... Delikat. Also, wie sag' ich es heute meinem authentischen Weltenkinde?

Fangen wir am besten unverfänglich an. Mit Max Scheler. Der ist ein Philosoph im vergangenen Jahrhundert gewesen. Der war des öfteren etwas zu sehr amourös unterwegs. Aber er war katholisch. In bestimmten Phasen seines Lebens jedenfalls. Und er hat so etwas erfunden, das er materiale Wertethik nannte. Was heißt, dass die Moral nicht bloß so dahingeplappert werden sollte, sondern natürlich auch handfeste Bedeutung hat, dass sie Entscheidungen verlangt, dass es weh tun kann, wenn man nicht tut, was man eigentlich soll. Dieser Max Scheler hat Essays geschrieben wie „Die Rehabilitierung der Tugend“. Was viele katholische junge Männer und Frauen damals dermaßen prima fanden, dass sie ihr Leben änderten, dass es ihnen nicht mehr reichte, so einigermaßen la la bürgerlich rechtschaffen vor sich hin zu leben – oder dass sie sogar Priester wurden. Worüber sich die Zeitgenossen doch recht wunderten, weil der Denker ja die gelehrte Moral persönlich eher eigenwillig verstand, worauf der lächelnd lediglich antwortete: „Der Wegweiser muss nicht dorthin gehen, wohin er weist.“

Upps, jetzt ist es raus. Aber sie waren gewarnt. Es wird nicht lustig.