Nato-Einsatz in Libyen vor Ende

Bengasi/Brüssel (DT/dpa) Die neuen libyschen Machthaber haben große Mengen chemischer Kampfstoffe entdeckt, die Muammar al-Gaddafi in der Wüste versteckt haben soll. Es handle sich um eine Tonne Senfgas, die südlich von Al-Dschufra lagere, berichtete die libysche Zeitung „Qurayna al-Jadida“ unter Berufung auf einen Oberst der Armee. Allerdings hätte Gaddafi das giftige Gas in seinem Krieg gegen die Revolutionstruppen nicht einsetzen können, da ihm dafür die technischen Möglichkeiten gefehlt hätten. In Brüssel kamen am Freitagnachmittag die Botschafter der 28 Nato-Staaten zusammen, um das Ende des Militäreinsatzes in Libyen zu beschließen. Bereits zuvor hatte der UN-Sicherheitsrat das im März verkündete Flugverbot außer Kraft gesetzt.

Mit einer neuen Resolution wollen die Vereinten Nationen Libyen jetzt zu einer stärkeren Kontrolle der vielen Waffen im Land drängen. Den 15 Mitgliedern liegt ein Resolutionsentwurf Russlands vor, der die Übergangsregierung in Tripolis auffordert, die Waffen im Land zu erfassen, einzusammeln oder zu zerstören. Um die Isolation Libyens zu beenden, hatte Gaddafi 2003 die Vernichtung aller von ihm gehorteten Massenvernichtungswaffen versprochen. Experten hatten jedoch vermutet, dass er auch danach noch mehrere Tonnen Senfgas besaß. Besondere Sorgen bereiten den Staaten Kleinst-Flugabwehrraketen, die von der Schulter abgefeuert werden können. In Libyen soll es sie zu Tausenden geben. Der Resolutionsentwurf fordert, den Schmuggel dieser Raketen zu verhindern. Die Nato hat das vorläufige Ende ihres Militäreinsatzes in Libyen auf den 31. Oktober festgelegt.