Moloch Afghanistan

Auch der eine oder andere Erfolg kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Afghanistan ein Moloch ist. Bisher musste noch jedes Truppenkontingent aufge-stockt und jede gesetzte Frist der Gefrä-ßigkeit dieses Molochs geopfert werden. Dies dürfte nicht anders sein, wenn nach der Verstärkung des deutschen Kontingents am Hindukusch um 1 000 Soldaten der künftige amerikanische Präsident, heißt er nun Obama oder McCain, ein noch stärkeres Engagement der Europäer einfordern wird.

Unabhängig davon übernehmen die Deutschen ab dem 1. Juli die Aufgaben der sogenannten Schnellen Eingreiftruppe im Norden Afghanistans. In einem Aufwasch soll das Mandat für die Bundeswehr wegen der Bundestagswahl im Herbst 2009 um 14 statt um zwölf Monate verlängert werden, damit die Abstimmung über den Einsatz nicht in die Konstituierung des neuen Parlaments fällt – ist doch dessen Zusammensetzung ungewiss.

Nach dem Sturz des Taliban-Regimes hat der Terrorismus neue Rückzugsräume eingenommen, die vielleicht gefährlicher sind als isolierte Stützpunkte im fernen Zentralasien. Auch sollte ernsthaft und entschieden darüber diskutiert wird, mit welchem korruptem Bannerträger sich der Westen in Kabul eingelassen hat. Es wäre nicht das erste Mal, dass die USA auf das falsche Pferd gesetzt haben. Der beste Weg zur Befriedung des Landes wäre die Bildung einer wirklich repräsentativen Regierung. RL