„Modernisierer sind sie beide“

Timo Grunden, Politologe an der Universität Duisburg, zur Diskussion um den CDU-Vorsitz in Nordrhein-Westfalen von Oliver Maksan

Herr Grunden, Laschet oder Röttgen: Mit wem könnte die CDU wieder Wahlen in Nordrhein-Westfalen gewinnen?

Das kommt ganz darauf an, wann und in welcher Konstellation diese Wahlen stattfinden werden. Grundsätzlich hat Herr Röttgen den Vorteil, dass er als Umweltminister eine bundespolitische Bühne hat. Das heißt, er ist medial präsenter. Normalerweise fristen ja Oppositionsführer auf Landesebene ein trostloses Dasein, weil sie keiner wahrnimmt. Sie sind vollkommen unbekannt. Der Umweltminister, der noch dazu über rhetorisches Talent verfügt und telegen ist, hätte bestimmt Vorteile.

Glauben Sie nicht, dass ein in Nordrhein-Westfalen ansässiger Mann wie Laschet, der auch im Landtag sitzt, die rot-grüne Landesregierung besser vor sich hertreiben könnte?

Das wage ich zu bezweifeln. Es ist natürlich wichtig, dass man die Partei vor Ort zusammenhält. Das heißt, auch Herr Röttgen müsste stärker als jetzt in Nordrhein-Westfalen präsent sein, um die Partei wieder aufzubauen. Aber auch für Landtagswahlkämpfe gilt, dass sie Medienwahlkämpfe sind. Und die werden im Fernsehen ausgetragen, wo die engere Landespolitik kaum eine Rolle spielt. Der höhere Bekanntheitsgrad Herrn Röttgens könnte da entscheidend sein.

Herr Laschet hat das Thema der Integration für sich entdeckt, Herr Röttgen möchte in der Atom- und Umweltpolitik punkten. Das Lager der „Modernisierer“ in der CDU wird also in jedem Fall noch stärker?

Ja. Sie gehören beide zu dem Reformerflügel, dem Modernisierungsflügel, oder besser: zum liberalen Flügel der Union. Und der gibt jetzt gerade den Ton an. Auf jeden Fall haben sie beide kein konservatives Profil. Beide Kandidaten sind deshalb auch nicht unbedingt die Lieblingskandidaten der CDU-Kreisverbände in Ostwestfalen oder im Münsterland, die noch tendenziell konservativ sind. Ich bin gespannt, wie die beiden bei der Mitgliederbefragung dort abschneiden werden.

Glauben Sie, dass die Bundesvorsitzende der CDU irgendeine Präferenz hat für einen der beiden Herren?

Das kommt darauf an. Zunächst sind ja beide Kandidaten, die ganz klar den Modernisierungskurs unterstützen. Damit unterstützen sie auch die Bundesvorsitzende der CDU. Aus diesem Grunde würde sich durch einen Landeschef Laschet oder Röttgen, was die Machtarchitektur in der Union angeht, nichts ändern. Da der neue CDU-Landeschef wohl auch stellvertretender Bundesvorsitzender der CDU werden wird, wären beide Kandidaten Frau Merkel wohl gleich recht. Wenn man aber als Parteivorsitzende denken würde – zum Wohle der Partei –, wäre es schon gut, einen telegenen, eloquenten Parteivorsitzenden und Spitzenkandidaten in Nordrhein-Westfalen zu haben. Das wäre wahrscheinlich ihr Bundesumweltminister. Auf der anderen Seite weiß ich nicht, wie sie persönlich denkt. Es wird spekuliert, dass Röttgen mit seinen Talenten einer ihrer potenziellen Nachfolger sein könnte. Der Kanzlerin wird ja manchmal nachgesagt, dass sie Talente als Bedrohung empfindet.

Könnte es nicht auch sein, dass Herr Röttgen mit seiner für CDU-Verhältnisse unkonventionellen Atom-Politik der ideale Brückenbauer für die begehrte schwarz-grüne Option im Land wie im Bund ist?

Das ist Herr Laschet auch. Herr Laschet gehört auch ganz klar zu den schwarz-grünen Favoriten hier in Nordrhein-Westfalen. Selbst im Wahlkampf hat er nicht mal eindeutige Koalitionsaussagen zugunsten der FDP gemacht. Laschet mit seiner Integrationspolitik, auch von seiner ganzen liberalen Ausrichtung her, wäre ein idealer Partner für die Grünen gewesen. Da tun sich beide nicht viel.