Leitartikel: In den Klauen der Manipulation

Von Jürgen Liminski

LEITARTIKEL: Saubere Lösung: Neuwahlen

Die Zahlenkolonnen des Statistischen Bundesamtes sind in der Regel nur dann ein besonders spannendes Thema für manche Journalisten, wenn man, frei nach Churchill, diese Zahlentafeln nach Belieben interpretieren, sprich mit ihnen manipulieren kann. Das geschah jüngst mit der Verlautbarung des Amtes über die Ergebnisse des Mikrozensus zu den Familienformen. „Tagesschau“, „Heute-Journal“ und etliche Zeitungen hielten fest, was selbst die FAZ in die Schlagzeile presste: Ehe auf dem Rückzug – immer mehr Kinder leben ohne verheiratete Eltern. Das ist eine richtige Trend-Feststellung, aber nur ein Teil der Wahrheit. Man kann natürlich das halbleere Glas auch als halbvoll bezeichnen. Aber wenn bei knapp 30 Prozent der Familien die Eltern nicht verheiratet und bei 70 Prozent die Eltern verheiratet sind, das Glas dann viertelleer zu nennen und nicht als dreiviertelvoll zu bezeichnen, das ist Manipulation.

Nun leben Familien in Deutschland schon seit Jahrzehnten mit dieser Art medialer Verzerrung der Wirklichkeit. Normalen Familien und Eheleuten wird suggeriert, sie seien eine aussterbende Spezies. Leider stricken bürgerliche Politiker und auch Kirchenleute an dieser Desinformation mit, statt das dreiviertelvolle Glas zu thematisieren. Wovor haben sie Angst? Vor Politikern wie der SPD-Generalsekretärin Fahimi, die jedes positive Wort für Mehrkindfamilien als „braunes Gedankengut“ brandmarkt?

Es ist billig und wohlfeil, mit der Faschismuskeule Familienpolitik machen zu wollen. In vielen Medien, linken zumal, wird man damit Applaus ernten. Vielleicht ist es die Furcht vor solchen Medien, dass in der Politik höchst selten auf die positiven Effekte von Ehe und Familie hingewiesen wird, die die Gesellschaft stabilisieren und ihr viel Geld sparen. Es ist ja wissenschaftlich erwiesen, dass normale Ehen die Gesundheit stabilisieren, die Lebensdauer verlängern sowie zu mehr Wohlstand und auch zu mehr Kindern führen. Auch das war übrigens in den Zahlen des Statistischen Bundesamtes leicht zu erkennen: Die Ehepaar-Familien haben einen deutlich geringeren Anteil an Hartz-Vier-Empfängern als nicht-eheliche Lebensgemeinschaften. Die Politik wäre gut beraten, wenn sie wenigstens wegen dieser Effekte die Ehe und damit die Familie fördern würde. Sie würde wahrscheinlich sogar in der Bevölkerung an Ansehen gewinnen, wenn sie den Medien den Spiegel der Manipulation vorhielte.

Das politisch-mediale Establishment aber lebt in einer seltsamen Verbeugung vor Randgruppen, insbesondere solcher, die sich durch ihre sexuelle Orientierung definieren. Aber man muss sich fragen: Ist das wirklich gesellschaftlich relevant? Kann in diesem Staat nicht jeder leben wie er will, solange er anderen nicht schadet? Warum wird im Namen der Anti-Diskriminierung die sexuelle Orientierung einer Randgruppe in der veröffentlichten Meinung hofiert und die große Mehrheit an den Rand der Diskriminierung gedrückt? Diese Unwucht bedroht demokratische Freiheiten in Europa, und deshalb sind Aktionen wie „Demo für alle“ in Deutschland oder „Manif pour tous“ in Frankreich schlicht notwendig. Sie befreien aus den Klauen der Manipulation.