Leitartikel: Ideologische Enge

Jürgen Liminski. Foto: DT
Jürgen Liminski. Foto: DT

Die neue Diskussion um das Betreuungsgeld erhellt alte Fronten und bringt inhaltlich nichts Neues. Aber sie zeigt einige Trends auf und offenbart die inhaltliche Konzeptlosigkeit und ideologische Enge von Familienministerin Manuela Schwesig (SPD).

Anlass der wie üblich beleidigenden Debatte für die Familien, die ihre Kinder selber betreuen und erziehen wollen, ist eine Studie des Deutschen Jugendinstituts und der Uni Dortmund, bei der das Betreuungsgeld nur eine untergeordnete Rolle spielt und die außerdem lange vor Einführung dieser Leistung durchgeführt wurde. In ihr konnten also nur Absichten festgestellt werden, etwa dass Familien mit Migrationshintergrund ihre Kinder lieber selber betreuen wollen, als sie in die Hände staatlicher Einrichtungen zu geben. Daraus wird in den rot-grün orientierten Medien wie taz, Spiegel, Frankfurter Rundschau, um nur einen kleinen Teil zu nennen, eine „Bestätigung“ der Kritiker am Betreuungsgeld. Diese „Bestätigung“ aber fußt auf der falschen Annahme, dass staatliche Betreuung besser sei als familiäre und dass Kinder in Krippen besser gebildet würden als zuhause. Für diese Annahme gibt es keine wissenschaftlichen Belege; sie ist eine Behauptung, eine These. Diese These wird nicht glaubwürdiger, wenn man sie mit Absichten zu untermauern versucht. Mit anderen Worten: Wir haben es mit Ideologie in reinster Form zu tun.

Eine Vertreterin dieser staatsgläubigen Ideologie ist die Familienministerin. Sie bekundet nicht nur offen, dass sie das Betreuungsgeld am liebsten abschaffen würde, es aber wegen des Koalitionsvertrags nicht konkret vorschlägt. Sie tut auch nichts, um die Qualität in den Kitas zu verbessern. Sie hat entsprechende Entwürfe in die Schublade verbannt und will erst in ein paar Jahren darüber reden. Wenn RotGrün CDU/CSU losgeworden sind? Dabei ist der Mangel auf diesem Gebiet eklatant und vermutlich einer der Gründe, warum sich Eltern entscheiden, ihre Kleinstkinder nicht in die Hände von Vater Staat geben zu wollen. Für Frau Schwesig ist staatliche Betreuung offenbar gut, weil sie staatlich ist.

Aber auch Ideologen denken weiter. Für sie und ihre publizistischen Hilfstruppen ist diese Studie ein Instrument, um andere Maßnahmen vorzubereiten. Zum Beispiel die allgemeine Kita-Pflicht. Ähnlich wie bei der Schulpflicht sollen Kinder ab dem 15. Monat außerhalb der Familie gebildet, sprich genormt und geformt werden. Deshalb der verbissene Kampf gegen das Betreuungsgeld, das de facto ein Stückchen Wahlfreiheit schafft. Deshalb die Missachtung von Studien wie jüngst von der Bertelsmann-Stiftung, die auf die Qualitätsmisere in den Kitas hinwies und damit auch nur frühere Studien in Australien und den USA bestätigte. Deshalb das Schweigen zu der Frage, was frühkindliche Bildung überhaupt sein soll. Deshalb das Ignorieren aller Ergebnisse der Bindungsforschung und des mittlerweile in den einschlägigen Wissenschaftsbereichen anerkannten Grundsatzes: Bindung geht vor Bildung.

Es ist immer dasselbe mit den Ideologen, kommen sie von links oder von rechts: Sie wollen den neuen, gefügigen Menschen, den begeisterten Sklaven der jeweiligen Ideologie. Von Freiheit und der kreativen Kraft der Liebe haben sie meist keine Ahnung.