Leitartikel: Hoffnungsfrohe Zeichen

Von Oliver Maksan

Oliver Maksan. Foto: DT
Oliver Maksan. Foto: DT

Dass Gott auch auf krummen Zeilen gerade schreiben kann, sieht man dieser Tage in Ägypten. Gewiss, die Lage der dortigen christlichen Gemeinschaft – immerhin zehn Prozent der Bevölkerung – ist alles andere als rosig. Mit allen Ägyptern leiden die Christen unter dem wirtschaftlichen und politischen Chaos, das das Land seit zwei Jahren erschüttert. Sie fühlen sich zudem hilflos angesichts der islamistischen Welle, die über Ägypten hinweggegangen ist und einen Präsidenten, eine Verfassung und parlamentarische Mehrheit angespült hat. Eine Verfassung voller Gummiparagrafen, die von den regierenden Islamisten, so die Befürchtung, bald in diese, bald in jene Richtung gedehnt werden können, erzeugt ein Gefühl von Unsicherheit und Bedrohung. Hinzu kommen regelmäßige Übergriffe seitens radikaler islamischer Kräfte, vor denen die Christen nicht beziehungsweise nicht ausreichend geschützt werden. Von einer systematischen Verfolgung zu sprechen wäre nicht richtig. Doch die schon unter Mubarak bekannte Mischung aus rechtlicher Diskriminierung, lokal begründeten konfessionellen Zusammenstößen und islamistischen Übergriffen hält an.

Doch gibt es auch Zeichen, die hoffnungsfroh stimmen. An erster Stelle ist dabei die Annäherung zwischen katholischer und orthodoxer koptischer Kirche zu nennen. Unter dem im März vergangenen Jahres verstorbenen Papst Schenuda III. war das Verhältnis zwischen beiden Kirchen bekanntlich eisig. Die mit Rom unierte koptisch-katholische Kirche war ihm ein rotes Tuch. Unter seinem im November 2012 gewählten Nachfolger Tawadros II. ist es indes zu einer echten Annäherung zwischen beiden Kirchen gekommen. Erstmals überhaupt in der Geschichte besuchte mit Tawadros ein koptisches Kirchenoberhaupt die Inthronisation eines koptisch-katholischen Amtsbruders – so geschehen bei der Amtseinführung des neuen Patriarchen Ibrahim Isaak. Zudem hat Tawadros seinen dringenden Wunsch ausgedrückt, Papst Franziskus in Rom besuchen zu können. Institutionell hat sich dieser kleine Christliche Frühling zudem in der Gründung eines Rates der Kirchen niedergeschlagen.

Hoffnungsfroh stimmt auch, dass die Christen in Ägypten politisch den aufrechten Gang üben. Zu Zeiten der Diktatur war es der koptische Papst, der die politische Vertretung seiner Kirche übernommen hatte. Angesichts der Umstände war dies alternativlos. Mittlerweile hingegen haben sowohl die koptisch-orthodoxe als auch die koptisch-katholische Kirche erkannt, dass sie ein starkes Laienengagement brauchen, um im neuen Ägypten bestehen zu können. Eine ganze Reihe von politischen Initiativen hat sich deshalb gegründet, ohne deswegen mit einer christlichen Partei den Weg ins Ghetto zu gehen. Beim Verfassungsreferendum hat die Hierarchie ihren Gläubigen des Weiteren nicht vorgeschrieben, wie sie zu stimmen hätten oder ob sie der Abstimmung nicht lieber ganz fern bleiben sollten. Ihre Aufgabe, die Gläubigen politisch zu orientieren, kommen die Kirchenführer dennoch nach. Wo es zudem um die Rechte der Institution geht, sprechen sie mit klarer Stimme.

An den Christen scheitert der Aufbau eines demokratischen und rechtsstaatlichen Ägypten jedenfalls nicht.