Leitartikel: Die Schlüssel der Erneuerung

Von Markus Reder

Leitartikel: Die Unruhe wächst

Die Kardinäle haben gewählt, Gott hat entschieden. Das Ergebnis ist eine Sensation. Die Wahl von Jorge Mario Bergoglio hat genauso überrascht wie sein Papstname Franziskus. Damit zeigt sich, wie weit all das Spekulieren über Kandidaten von dem entfernt war, was dann tatsächlich während des Konklaves in der Sixtina passiert ist. Der Geist des Herrn und all die mehr oder weniger klugen Überlegungen dieser Welt sind ganz offensichtlich zwei Paar Stiefel. So darf sich nun auch die internationale Presse in Demut üben. Die Deutungshoheit über das Leben der Kirche liegt offensichtlich nicht bei den Medien. Gott sei Dank!

Die katholische Kirche war immer Universalkirche, doch nie war sie so sehr Weltkirche wie heute. Dass nun der erste Lateinamerikaner den Stuhl Petri besteigt, ist auch eine Folge der Internationalisierung des Kardinalskollegiums unter Benedikt XVI. und Johannes Paul II. Diese gelebte Globalisierung der Weltkirche, an deren Spitze der Nachfolger Petri steht, befreit – im tiefsten Sinne des Wortes katholisch – von jeder nationalkirchlichen Enge. Zwar mag sich der Fokus besonderer Aufmerksamkeit mit der Herkunft des Papstes verschieben, von entscheidender Bedeutung ist sie aber nicht. Maßgeblich, so versichern die Kardinäle, sei für sie die Eignung der Person, nicht deren Nationalität gewesen.

Wie Ratzinger springt auch Bergoglio aus jedem rechts-links Schema. Bei Benedikt XVI. haben es viele bis zum Schluss nicht kapieren wollen, weil ihnen die Bereitschaft zum fairen Zuhören fehlte. Auch bei Papst Franziskus wird es nicht lange dauern, bis der Zauber des Anfangs verfliegt und die Herolde des Relativismus ihre Fallstricke auslegen. Schon jetzt werden absurde Forderungen formuliert, beginnen die Spielchen derer, die zwanghaft einordnen müssen, weil ihrem kleinkarierten Weltbild die Weite des katholischen Horizonts fehlt. Der neue Papst sei ein liberaler, weil er ein Herz für die Armen hat, heißt es. Der neue Papst sei stramm konservativ, weil er die Ehe zwischen Mann und Frau verteidigt, hört man. Wie absurd! Hier zeigt sich die Blindheit der Säkularen. Ihre Bewertungskriterien müssen zwangläufig am Felsen Petri zerschellen. Der Papst ist eben kein Politiker, der sein Fähnchen in den Wind von Mehrheit und Meinung hängt, sondern Vicarius Christi, der die Wahrheit des Evangeliums verkündet und daran Maß nimmt.

Der programmatische Name des neuen Papstes, sein Stil der Bescheidenheit, all das wirkt wie eine Antwort auf das, was Benedikt XVI. in seiner Freiburger Entweltlichungs-Rede gefordert hat. Sich frei machen von allem, was den Blick auf Christus verstellt, um inmitten der Welt glaubwürdig die Liebe Gottes verkünden zu können: Das ist der Schlüssel der Erneuerung, den nun ein neuer Petrus in seinen Händen hält.

Auf das Pontifikat der Tat (Johannes Paul II.) folgte das Pontifikat des Wortes (Benedikt XVI.). Beginnt nun ein Pontifikat des Gebets, wie es sich beim ersten Auftritt von Papst Franziskus auf der Loggia des Petersdomes angedeutet hat? Wirkliche Erneuerung kommt nur von innen: Aus der kompromisslosen Hinwendung zu Jesus Christus. Das gilt für die Kirche als Ganzes, für Klerus und Kurie wie für jeden einzelnen Menschen. Da herrscht völlige Übereinstimmung zwischen Benedikt und Franziskus. Dessen Papstwahl am 13.3.2013 wird als historisches Datum in die Geschichte eingehen. Im ersten Satz des Johannesevangeliums, das die Leseordnung für diesen Tag vorsieht, sagt Jesus: „Mein Vater ist noch immer am Werk und auch ich bin am Werk“. Lassen wir uns überraschen, was Gott der Kirche und der Welt durch diesen neuen Pontifex sagen will.