Leitartikel: Der Ernstfall des Glaubens

Von Stefan Rehder

Stefan Rehder. Foto: DT
Stefan Rehder. Foto: DT

Ostern ist der Ernstfall des Glaubens. Nicht die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank, nicht die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung, ja nicht einmal der Terror des IS vermögen daran etwas zu ändern. Denn nur an Ostern entscheidet sich unsere ganze christliche Existenz. Zugegeben, das ist keine neue Erkenntnis. Schon Paulus wusste: „Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos“ (1 Kor 15,14). Mehr noch: „Wenn wir unsere Hoffnung nur in diesem Leben auf Christus gesetzt haben, sind wir erbärmlicher dran als alle anderen Menschen“ (1 Kor 15,19). Niemand Geringeres als Benedikt XVI. kommentiert dazu: „Mit diesen Worten stellt der heilige Paulus ganz drastisch heraus, welche Bedeutung der Glaube an die Auferstehung Jesu Christi für die christliche Botschaft als Ganze hat: Er ist ihre Grundlage. Der christliche Glaube steht und fällt mit der Wahrheit des Zeugnisses, dass Christus von den Toten auferstanden ist“ (Jesus von Nazareth, Band II, S. 266).

Wer heute mit offenen Augen und Ohren – und das zählt nun einmal zu den Aufgaben von Journalisten – durch diese Welt geht, macht jedoch selbst unter Katholiken oft ganz andere Erfahrungen. Da kann man mitunter den Eindruck gewinnen, als stehe und falle der Glaube statt mit Frage, ob Christus von den Toten auferstanden ist, mit dem Ritus, in dem sein Kreuzesopfer bei uns auf unblutige Weise erneuert wird oder mit der Frage, ob den Gottesdienstbesuchern eines Bistums die Unterstützung einer von Laien ins Leben gerufenen Schwangerschaftskonfliktberatung angeboten werden darf; ob das Fatima-Gebet am Ende eines Rosenkranzgeheimnisses gebetet oder weggelassen wird oder ob das Evangelium in althergebrachter statt in „geschlechtergerechter Sprache“ verkündet wird. Nicht, dass Streit über solche Fragen unzulässig wäre. Aber wenn Fragen wie diesen einen Stellenwert bekommen, dass von der Freude darüber, dass der Sohn Gottes sein Leben als Lösegeld für unsere Sünden hingab, den Tod überwand und uns so das Tor zu einer „neuen Dimension des Menschseins eröffnet hat“, „eines Lebens, das nicht mehr dem Gesetz des Stirb und Werde unterworfen ist“ (Jesus von Nazareth, Band II. S. 268), wenig und bisweilen überhaupt nichts mehr zu spüren ist, ist es an der Zeit für eine gründliche Gewissenserforschung.

Sicher existiert mehr als nur ein Grund dafür, dass uns die Osterfreude, die uns eigentlich jubilieren lassen müsste, heute so selten erreicht. Aber falsch liegt nicht, wer unter ihnen auch Angst ausmacht. Angst, die nicht wenige Christen befallen und in manchen Teilen der Welt eine solche Dominanz entwickelt hat, dass man meinen könnte, sie mit den Händen greifen zu können. Grund genug für die „Tagespost“, dem Phänomen der Angst tiefer auf den Grund zu gehen und einige ihrer Facetten näher zu beleuchten. Dabei wird deutlich: Angst hat – jedenfalls in einem gewissen Umfang – nicht nur ihre Berechtigung, sondern ihr lassen sich – sofern man nicht bei ihr stehenbleibt – auch gute Seiten abgewinnen. Die Ergebnisse, die eine ganze Reihe namhafter Autoren der Beschäftigung mit der Angst abgerungen haben, lassen sich in dem „Forum“ besichtigen, das dieser Ausgabe beiliegt und das wir aus mehr als einem Grund mit „Fürchtet euch nicht!“ überschrieben haben.