„Leiden Syriens ist grenzenlos“

Rom/Damaskus (DT/KAP) Das in Damaskus residierende Oberhaupt der mit Rom unierten melkitischen Kirche, Patriarch Gregorios III. Laham, ist am Donnerstag im Vatikan mit Papst Franziskus zusammengetroffen. Einzelheiten der Unterredung teilte der Vatikan nicht mit. Das zentrale Thema war die dramatische Lage der Christen in Syrien. Der melkitischen Kirche gehören rund 1,7 Millionen Mitglieder an. Die Weltgemeinschaft solle mithelfen, um eine Verhandlungslösung für den Bürgerkrieg in Syrien zu erreichen: Mit dieser Botschaft hat sich Gregorios III. nun in einem Schreiben an das Hilfswerk „Kirche in Not“ zu Wort gemeldet. „Wir sind sicher, dass trotz unserer Nöte alle Syrer zum Dialog imstande sind“, so der Patriarch, der dafür Hilfe von außen forderte. Er bitte die Regierungen der arabischen Staaten sowie der Länder Nord- und Südamerikas sowie Europas, zu einer friedlichen Lösung des Konflikts beizutragen. „Das Leiden Syriens ist grenzenlos“, schreibt der Patriarch. Der Konflikt habe inzwischen „Tausende und Abertausende niedergemäht – Zivilisten und Angehörige des Militärs gleichermaßen“. Nach Einschätzung von Gregorios III. sind seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs vor zwei Jahren bis zu 400 000 syrische Christen aus ihrer Heimat vertrieben worden. Der Patriarch betont, dass die Zukunft seiner Gläubigen „nicht von den Muslimen bedroht wird, sondern vom allgemeinen Chaos und von unkontrollierbaren, fundamentalistischen Fanatikern“. Sämtliche Aspekte von Demokratie, Menschenrechten, Freiheit, Säkularismus und Bürgerrechten seien aus dem Blickfeld geraten. „Und niemand kümmert sich darum“, klagt der Patriarch. Diese bedrohliche Situation habe weitreichende Folgen für die Zukunft der Christen im gesamten Nahen Osten, da Syrien seit Jahrzehnten Zufluchtsort für Gläubige aus Krisengebieten wie dem Irak gewesen sei. Der Bürgerkrieg sei auch für die mehrheitlich gemäßigten Muslime eine schwere Bedrohung, weil verschiedene islamische Traditionen gegeneinander ausgespielt würden. Er frage sich, ob es angesichts dieser alle Bürger betreffenden Gefahren, des Leids und des Unglücks „eine andere Sprache oder ein anderes Handeln als Krieg, Waffen, Gewalt, Hass und Rache geben kann. Wir brauchen unbedingt eine Lösung.“