Kommentar: Zu groß und zu mächtig

Von Jürgen Liminski

Jürgen Liminski
Jürgen Liminski. Foto: DT
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Leben ist Lernen. Man braucht keine Philosophenschule a la Popper, um solche Erkenntnisse zu gewinnen. Selbst Donald Trump kann lernen und er tut es. Er lässt sich darin auch nicht aufhalten, am wenigsten von seinen eigenen Worten. Und auch wenn seine journalistischen Gegner in Amerika und Europa nun auf seine früheren Äußerungen verweisen, um ihn als wankelmütig und unberechenbar darzustellen, so müssen auch sie konstatieren: Der Schlag gegen Assad hat Amerika auf den Kriegsschauplatz Nahost zurückgebracht. Diesen Schauplatz hatte Vorgänger Obama verlassen, nachdem seine Wunschpartner, die Muslimbrüder, mit dem arabischen Frühling verweht waren. In das Vakuum stießen die Russen vor. Trump hat auch Putin die Grenze gezeigt.

Natürlich ist das noch keine Strategie. Aber das Leben geht weiter und damit auch das Lernen. Trump wird lernen, dass es nicht nur in Amerika und Syrien Kinder gibt, die leiden. Er hat schon gelernt, dass in Nordkorea ein ganzes Volk darbt, denn sein Handschlag beim Dinner mit dem chinesischen Diktator Xi Jinping erfolgte zum gleichen Zeitpunkt, als die ersten Raketen flogen. Das wird Xi Jinping nicht entgangen sein. Er wird auch lernen, dass Kinder immer die ersten Leidtragenden von Diktaturen und Kriegen sind, überall auf der Welt. „America first“ mag eine Devise für den Wahlkampf gewesen sein, für das praktische Leben taugt sie nicht. Amerika ist zu groß und zu mächtig, um sich aus dem Weltgeschehen zurückzuziehen. In der Finanzwelt sagt man: zu systemrelevant. Warlords, Diktatoren in Nadelstreifen (Russland, Türkei) oder in geistlichen Gewändern (Iran), warten nur darauf, um das Vakuum zu füllen. Das ist heute anders als zu Zeiten Monroes. Das hat schon Obama nicht sehen wollen. Daraus ergeben sich erste Ansätze für eine Strategie. Aber auch die Partner Trumps müssen lernen. Die Deutschen zum Beispiel sollten ernster nehmen, dass die Lasten in der NATO gerechter verteilt werden müssen. Alles andere wäre eine Fehleinschätzung, die man als lernunwillig bezeichnen könnte. Denn eins wird Trump bleiben: Ein Geschäftsmann, der rechnet.