Kommentar: Wohin treibt die EKD?

Markus Reder. Foto: DT
Markus Reder. Foto: DT

Wer sich für mehr als Wohnung und Balkon oder Haus und Garten zu interessieren pflegt, weiß, dass Personalentscheidungen auch Richtungsentscheidungen sein können. Betroffen werden von ihnen mitunter selbst jene, die ganz andere Äcker bestellen sollen. Für Katholiken ist der Ausgang des Wahlkrimis, in dessen Verlauf der ehemalige bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) seine Kandidatur als Präses der Synode der Evangelischen Kirchen in Deutschland (EKD) zurückzog, jedenfalls alles andere als unbedeutsam. Denn mit der 71-jährigen früheren Bundesbauministerin Irmgard Schwaetzer steht der EKD-Synode jetzt eine Präses vor, die beim Lebensschutz bislang jene Sensibilität vermissen ließ, die ihre Vorgängerin Katrin Göring-Eckardt (Bündnis 90/Die Grünen) noch ausgezeichnet hatte. Und das ist höflich formuliert. Denn als Vorsitzende des Berliner Domkirchenkollegiums war die FDP-Politikerin maßgeblich an dem Entschluss des Gremiums beteiligt, der den Teilnehmern des diesjährigen „Marschs für das Leben“ die Feier eines ökumenischen Gottesdienstes in der bedeutendsten protestantischen Kirche der Bundeshauptstadt untersagte. Während manche der Politikerinnen, die Anfang der 90er Jahre noch vehement für die 1995 erfolgte weitere Liberalisierung vorgeburtlicher Kindstötungen gestritten haben, inzwischen weniger ideologisch mit den Thema umgehen, scheint die Pharmazeutin Schwaetzer bis heute nichts dazugelernt zu haben.

Für die seit einigen Jahren ohnehin fortschreitende Entfremdung der beiden großen christlichen Konfessionen auf den Feldern der Biopolitik und -ethik lässt das nichts Positives hoffen. So gut wie alle Beobachter dieses gesellschaftlichen Kampfplatzes halten es – trotz unterschiedlicher Kirchennähe – heute für nahezu ausgeschlossen, dass die Deutsche Bischofskonferenz und der Rat der EKD noch einmal eine Erklärung wie „Gott ist ein Freund des Lebens“ aus dem Jahr 1989 gemeinsam zustande brächten. Die Wahl der neuen Präses hat die Chancen dazu sicher nicht verbessert.