Kommentar: USA: Risiko Staatsbankrott

Von Reinhard NIxdorf

Nein, am 3. August wird in Washington nicht das Licht ausgehen, sollten sich der Präsident und die Republikaner bis dahin nicht über eine Anhebung der US-Verschuldungsgrenze geeinigt haben. Aber wie die Finanzmärkte auf die Nachricht eines US-Staatsbankrotts reagieren werden, das ist die große Frage, die sich jetzt schwer beantworten lässt: Wirtschaft, sagte schon Ludwig Erhard, ist zu fünfzig Prozent Psychologie. Ein paar Gewissheiten gibt es aber schon: Wenn die größte Volkswirtschaft der Welt am kommenden Dienstag wirklich ihre Zahlungsunfähigkeit erklären muss, droht die ohnehin schwächelnde amerikanische Konjunktur weiter abzurutschen: Staatsanleihen würden schlechter bewertet, Zinsen mit Risiko-Aufschlägen versehen. Und der Bürger bekäme dieses höhere Zinsniveau zu spüren: Hypotheken, Auto-Leasing, alles würde teurer. Vor allem müssten sich die Bürger Sorgen um ihre Altersversorgung machen, denn in den Pensionsfonds stecken viele Staatsanleihen. Nicht nur die amerikanische Wirtschaft wäre betroffen, auch der Rest der Welt. Noch sind die Finanzmärkte gelassen. Doch das Risiko Staatsbankrott wird schon durchkalkuliert. Die Flucht aus dem Dollar hat längst eingesetzt: Der Goldpreis erreicht Rekordwerte. Analysten versuchen herauszufinden, wie risikobehaftet amerikanische Staatsanleihen nach einem Staatsbankrott sind, Hedge-Fonds horten Geld, um US-Schulden billig aufzukaufen. Dennoch: Keiner weiß genau, was kommt. Ähnliche Szenarios gab es schon öfters: im September 1987 etwa, als der damalige Präsident Reagan mit dem Kongress um die Anhebung der Schuldengrenze kämpfte. „Die Zinsen werden explodieren, die Märkte instabil und das Staatsdefizit wird noch größer. Die USA haben eine besondere Verantwortung – „sich selbst und der Welt gegenüber“ –, warnte bereits Ronald Reagan. Dass es damals weiterging, ändert nichts am Ernst der Lage heute. Dass die Akteure den Staatsbankrott in einem kleinlichen Streit geradezu provozieren, zeigt, dass sich in Washington nicht alle über das Maß ihrer Verantwortung klar sind.