Berlin

Kommentar: Übergriffige CDU

Annegret Kramp-Karrenbauer ist nicht nur Katholikin und ZdK-Mitglied, sondern gilt weiterhin als wahrscheinlichste Kanzlerkandidatin. Ihr Plädoyer für eine Abschaffung des Zölibats ist daher nicht nur wenig originell, sondern übergriffig.

Annegret Kramp-Karrenbauer und der Zölibat
Kramp-Karrenbauers Vorschlag ist ein Phänomen am Rande des Synodalen Wegs, dessen Endgedanke eher an eine deutsche Nationalkirche erinnert denn an die Braut Christi. Foto: Gian Ehrenzeller (KEYSTONE)

Bekanntlich hat Deutschland 80 Millionen Bundestrainer. Spätestens mit Beginn des Synodalen Wegs mag man hinzufügen: Deutschland hat 80 Millionen selbsternannte Experten für die Zukunft des Katholizismus. Auf dem Feld hervorgetan hat sich jüngst Annegret Kramp-Karrenbauer. Die CDU-Parteichefin wünschte eine Abschaffung des Zölibats und den Zugang von Frauen zum Diakonat. Ein revolutionärer Vorschlag, den man in Deutschland bisher noch nie vernommen hat   klammert man einmal Martin Luther und die überschaubaren 500 Jahre Reformation aus.

Tritt ins religiöse Fettnäpfchen

 

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Kramp-Karrenbauer ist Mitglied im Zentralkomitee deutscher Katholiken. Offensichtlich ist aber selbst ein Thomas Sternberg über den Vorstoß konsterniert. Es gebe auch "gute Gründe" für den Zölibat. Seit ihrer Wahl zur CDU-Vorsitzenden hat "AKK" die zweifelhafte Reputation erworben, von einem politischen Fettnapf in den nächsten zu treten. Offenbar geht der Saarländerin der Vorrat aus - weshalb es dieses Mal ein religiöser sein muss.

Keine Frage: Zum Zustand der Katholischen Kirche darf sich jeder äußern. Kramp-Karrenbauer ist aber nicht nur Katholikin und ZdK-Mitglied, sondern gilt weiterhin als wahrscheinlichste Kanzlerkandidatin. Ihre Aussage ist hochgradig politisch. Sie ist deswegen nicht nur wenig originell, sondern übergriffig. Sie tangiert das sensible Thema der Trennung von Staat und Kirche. Kramp-Karrenbauers Vorschlag ist ein Phänomen am Rande des Synodalen Wegs, dessen Endgedanke eher an eine deutsche Nationalkirche erinnert denn an die Braut Christi.

Markenkern "katholisch und konservativ" irreparabel beschädigt

Auch ihren Markenkern "katholisch und konservativ" beschädigt sie irreparabel. Sie steht im Widerspruch zur katholischen Lehrmeinung   und gegen Johannes Paul II. Das erinnert an Angela Merkel, die 2009 Benedikt XVI. kritisierte. Dabei hat AKK mal mit ihrer Feststellung, dass der Zölibat keinen Missbrauch begünstige, durchaus mutiges Terrain betreten. Mit ihrer Äußerung zur katholischen Reformation stellt sie sich dagegen als das heraus, was ihre Kritiker ihr vorwerfen: als exzellente Erbin ihrer Vorgängerin.

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