Kommentar: Sarahs Gespür für Liturgie

Von Regina Einig

Regina Einig. Foto: DT
Regina Einig. Foto: DT

Mit sicherem Gespür wirbt Kardinal Robert Sarah in seinem aktuellen Interviewband erneut für die Zelebrationsrichtung nach Osten. Die ersten Reaktionen in Frankreich zeigen, dass der Zeitpunkt klug gewählt ist. Der Präfekt der Gottesdienstkongregation stülpt kein steriles Schreibtischkonzept über das Volk Gottes, sondern vertieft einen laufenden Schulungsprozess in den französischen Diözesen. Änderungen stehen dort ohnehin auf der Tagesordnung, denn die überarbeitete Ausgabe des Missale Romanum soll 2017 – früher oder später – eingeführt werden.

Aus den leidvollen Erfahrungen nach dem Zweiten Vatikanum und den zeitraubenden Konflikten der französischen Bischöfe mit Rom über die angemessene Übersetzung liturgischer Texte wollen wache Zeitgenossen jedenfalls Lehren für die Zukunft ziehen. Dass sich der Altarraum nicht für strategische Planspiele eignet, ist eine solide Gesprächsbasis zwischen Priestern und Laien guten Willens, denen, wie dem Präfekten der Gottesdienstkongregation, an einer authentischen Erneuerung der Liturgie liegt.

Aus der Zustimmung für Kardinal Sarah in den sozialen Netzwerken spricht aber auch ein neues Verantwortungsbewusstsein der Laien. Eine Ausrichtung des Zelebranten nach Osten eröffnet nicht zuletzt Vorbetern neue Perspektiven. Bedenkenswert sind Überlegungen, wie Laien dem Klerus hier Brücken bauen könnten. Der Vorschlag aus Liturgiekreisen, Vorbetern und Lektoren etwa bei den Fürbitten die Gebetsrichtung in Richtung Osten zu empfehlen, ist nur ein Beispiel. Gott als dem Adressaten der Fürbitte den Rücken zuzukehren widerspräche dem gesunden Menschenverstand – diese Erfahrung beschäftigt auch Lektoren. Zudem lässt das weite Feld der Kinder- und Familienmessen Raum für Katechesen, die der Gemeinde den Sinn der Zelebrationsrichtung ad orientem erschließen. Auch wenn die Reaktionen im Episkopat erwartungsgemäß verhalten ausfallen – die Resonanz der Laien zeigt, dass Kardinal Sarah bereits erreicht hat, was den Konzilsvätern vorschwebte: ein vertieftes liturgisches Bewusstsein.