Kommentar: Romney in der Defensive

Von Clemens Mann

Jetzt ist es also sicher, das lang erwartete Duell Obama gegen Romney. Nach dem Rückzug des Katholiken Rick Santorum ist das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner entschieden. Uneinholbar liegt Romney vorne. Nun wartet mit dem US-Präsidenten ein schwerer Brocken. Ob Romney gegen Obama eine Chance hat, wird sich daran entscheiden, wen er für das Amt des Vizepräsidenten ins Team holt. Und ob es gelingt, die wirtschaftliche Krise Amerikas Obama anzuhängen.

Dass Romney bei den konservativen Republikanern, allen voran Tea-Party-Mitgliedern und evangelikalen Christen, nur als Notlösung gilt, ist bekannt. Der zurückgetretene Santorum hatte mit seiner kompromisslosen Haltung zu Abtreibung und Verhütung größere Sympathien. Will Romney im November gegen Obama siegen, braucht er den Rückhalt der ganzen Partei. Dazu bedarf es einer klugen Entscheidung. Der Vizepräsident müsste nicht nur die Zustimmung konservativer Wähler haben, sondern zugleich auch andere Wählergruppen wie die Latinos ansprechen. Das aber scheint beinahe unmöglich.

Der Rückhalt in der eigenen Partei ist so entscheidend, weil Romney im Unterschied zu den Vorwahlen gegen Obama finanziell klar in der Defensive ist. Mit einer prall gefüllten Kriegskasse von rund 80 Millionen Dollar ist Obama nicht so wehrlos wie Santorum und Co, die mitwenigen Millionen auskommen mussten. Ein Bombardement der Wähler mit Werbespots wird Romney nicht zum Sieg führen. Schwieriger als bei den Vorwahlen wird es auch, die eigenen Themen – beispielsweise die hohe Arbeitslosigkeit – zu setzen. Mit Macht rückt der Demokrat Obama die Frage nach der sozialen Gerechtigkeit ins Rampenlicht und trifft damit den Nerv großer Teile der Bevölkerung. Schlecht nur, dass gerade Romney da kaum Glaubwürdigkeit besitzt. Die hat der Multimillionär mit seinem Ministeuersatz – er zahlte lange Zeit weniger als eine amerikanische Durchschnittsfamilie – und dummen Äußerungen im Vorwahlkampf schon verspielt.