Paris

Kommentar: Kinder für alle

Geht es nach Frankreichs Präsident Macron, sollen künftig alle Französinnen unter 43 Jahren einen Rechtsanspruch auf künstliche Befruchtungen genießen.

Französische Nationalversammlung
Würde der Entwurf Gesetz, löste Macron nicht nur ein Wahlversprechen ein. Sechs Jahre nach der „Ehe für Alle“ hieße es dann: „Kinder für alle.“ Foto: Francois Mori (AP)

Das Gift des Utilitarismus schmeckt süß. Geht es nach Frankreichs Staatspräsident, sollen von ihm künftig alle Französinnen kosten können, die jünger als 43 Jahre sind. Ihnen würde der Gesetzentwurf, den das Kabinett vergangene Woche verabschiedete, einen Rechtsanspruch auf künstliche Befruchtungen bescheren. Auf Kosten der staatlichen Krankenversicherung und mit bis zu sechs Versuchen pro Frau. Bisher stehen künstliche Befruchtungen in Frankreich nur heterosexuellen Paaren offen, die seit mindestens zwei Jahren zusammenleben. Außerdem muss wenigstens einer der Partner den medizinischen Nachweis der Unfruchtbarkeit erbringen.

Beitrags- und Steuerzahler sollen das "Social Freezing" bezahlen

Auf all das verzichtet der Entwurf, der Mitte September von der Nationalversammlung beraten werden soll. Mehr noch: Die Solidargemeinschaft der Beitragszahler und der Steuerzahler, mit deren Beiträgen die chronisch klammen Krankenkassen regelmäßig aufgefüllt werden, soll auch das „Social Freezing“ bezahlen. So wird das Einfrieren von Eizellen ohne medizinische Indikation genannt. Es soll Frauen ermöglichen, sich ohne Rücksicht auf die biologische Uhr ganz auf Beruf und Karriere zu fokussieren.

Würde der Entwurf Gesetz, löste Macron nicht nur ein Wahlversprechen ein. Sechs Jahre nach der „Ehe für Alle“ hieße es dann: „Kinder für alle.“ Alleinstehende, Lesben sowie fruchtbare Paare könnten auf Kosten der Allgemeinheit Kinder im Labor erzeugen und selektieren lassen. Wann und beinah soviel sie wollen.

Aus utilitaristischer Sicht konsequent

Aus utilitaristischer Sicht ist das konsequent. Gemäß dieser Ideologie, die – welche Ironie – aus Großbritannien stammt, ist es Aufgabe des Staates, das größtmögliche Glück aller (oder wenigstes möglichst vieler) herzustellen. Für Utilitaristen ist der Staat eine Wunscherfüllungsagentur. In sich schlechte Handlungen, die daher zu meiden sind, gibt es für sie nicht. Und weil das so ist, wäre es nur eine Frage der Zeit, bis auch das Verbot der Leihmutterschaft fiele. Denn es ist nicht einzusehen, warum ein Kinderwunsch homosexueller Paare oder alleinstehender Männer weniger zählen soll, als der lesbischer Paare oder alleinstehender Frauen.