Wien

Kommentar: Intellektuell unterversorgt

Das österreichische Volksbegehren „Ethik für ALLE“ bedeutet im Klartext: Für Religionslehrer soll es ein Berufsverbot geben, das ihnen das Unterrichten von Ethik untersagt.

Österreich "Ethikunterricht für ALLE" gefordert
Das österreichische Volksbegehren "Ethik für ALLE" arbeitet mit der Unterstellung, der Religionsunterricht vermittle nicht, was Schülern in dem erst noch zu etablierenden Ethikunterricht vermittelt werden könnte. Foto: Marijan Murat (dpa)

Das österreichische Volksbegehren „Ethik für ALLE“ ist ein Angriff auf den konfessionellen Religionsunterricht. Es arbeitet nämlich mit der Unterstellung, der Religionsunterricht vermittle nicht, was Schülern in dem erst noch zu etablierenden Ethikunterricht vermittelt werden könnte: Anregungen für ein geglücktes Leben, für die Suche nach dem Sinn des Lebens und dem Wert des Menschseins, nach Koexistenzregeln in der pluralen Gesellschaft, nach bleibend Gültigem. Als Ideologen erweisen sich die Volksbegehrer spätestens, wenn sie „Unvereinbarkeitsregeln“ für Ethik- und Religionslehrer verlangen. Im Klartext: Für Religionslehrer soll es ein Berufsverbot geben, das ihnen das Unterrichten von Ethik untersagt.

Zu wenig konfessionelles Glaubenswissen vermittelt

Damit wird unterstellt, Religionslehrer würden konfessionell indoktrinieren, der Religionsunterricht sei eine identitätsstärkende, abgrenzende Katechese. Die Wirklichkeit ist Lichtjahre davon entfernt. Wenn es eine Schwäche des real existierenden Religionsunterrichts gibt, dann wohl die, dass er zu wenig konfessionelles Glaubenswissen vermittelt und den Glauben zu wenig aufbaut. Seine Stärke besteht darin, dass Kinder und Jugendliche hier Inspiration auf der Suche nach Sinn und Werten, nach Selbstsein und Gemeinschaft erfahren. Der Religionsunterricht ist weithin ein Ethikunterricht. Darum ist das Anliegen der ÖVP (zunächst mit der FPÖ, nun mit den Grünen), einen verpflichtenden Ethikunterricht für jene einzuführen, die keinen konfessionellen Religionsunterricht besuchen, das Gebot der Stunde!

Intellektuelle Unterversorgung lindern

Österreichs Schulen vermitteln viel, aber sicher viel zu wenig philosophisches, ethisches, konfessionelles, religiöses und religionswissenschaftliches Wissen. Diese intellektuelle Unterversorgung zu lindern, ist das Anliegen der Regierung, die den Ethikunterricht komplementär zum Religionsunterricht stärkt. Nun versuchen kirchenfeindliche Ideologen ihr in den Arm zu fallen. Ein durchschaubares Manöver!

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