Kommentar: In Syrien kein Ende in Sicht

Von Oliver Maksan

Oliver Maksan. Foto: DT
Oliver Maksan. Foto: DT

Die zweite Runde der Genfer Syriengespräche hat in dieser Woche begonnen wie die erste geendet hat: wenig hoffnungsvoll. Erneut sitzen Regierung und Teile der Opposition einander gegenüber, bislang unüberbrückbar uneinig hinsichtlich Ziel und Weg der Verhandlungen. Terrorismus bekämpfen, ruft die Regierungsseite; Assad absetzen, insistiert die Opposition. Der Stillstand ist so vorhersehbar. Es ist die Frage, wie viele derartige „Verhandlungs“-Runden Genf 2 noch überstehen kann, ehe man sich das Scheitern der Konferenz eingestehen muss. Immerhin haben beide Seiten den Anstand besessen, in einer Schweigeminute der schätzungsweise 130 000 Opfer zu gedenken, die das Gemetzel in den vergangenen drei Jahren gefordert hat. Echte Ergebnisse gibt es also bislang nicht, sieht man von der brüchigen humanitären Waffenruhe ab, auf die man sich für die belagerte Stadt Homs geeinigt hat. Hunderte Menschen konnten unter dem bewundernswerten Einsatz von Helfern der UNO und anderer Organisationen jetzt die umkämpfte Stadt verlassen. Nach Monaten des Eingeschlossenseins mussten die Menschen in ihrer Not sogar Gras essen. Es wäre viel erreicht, würde Homs Modell für weitere humanitäre Aktionen. Hunderttausenden Zivilisten geht es wie den Menschen von Homs.

Genf ist derweil das eine, Syrien das andere. Die leidliche Zivilität der gegnerischen Diplomaten am Genfer See hat auf den Schlachtfeldern Syriens keine Entsprechung. Das Regime wirft weiter verheerende Fassbomben auf Wohnviertel Aleppos. Islamistische Kämpfer massakrieren Alawiten wie am Sonntag in Maan. Der unversöhnliche Hass auf beiden Seiten wird so weiter verstärkt. Ein Ende ist nicht absehbar. Die den Syrienkonflikt ermöglichende regionale und internationale Gemengelage hat sich trotz Genf 2 nicht verändert. Waffen fließen weiter ins Land. Der Kampfeswille der regionalen Patrone von Regime und Aufständischen – Teheran einerseits, Riad andererseits – ist immer noch vorhanden. So traurig es ist: Eine Beendigung des syrischen Krieges wird erst dann einsetzen, wenn sich die Akteure erschöpft haben.