Kommentar: Heißer Klimagipfel

Von Reinhard Nixdorf

Weltklimagipfel beim Energieverschwender: Das ist kein Witz, sondern Realität, denn Katar, in dessen Hauptstadt Doha die Weltklimakonferenz gestern begann, ist das Land mit dem höchsten Pro-Kopf-Ausstoß von Treibhausgas; ein Land in der Wüste, in dem Energie so billig ist wie Zwiebeln, in dem der hohe Wasserverbrauch mit energiefressenden Entsalzungsanlagen gedeckt wird und in dem man im Geländewagen vor klimatisierte Einkaufszentren fährt. Auf einen Einwohner kommen dort jährlich 31 Tonnen CO2, dreimal so viel wie in Deutschland, hundertmal so viel wie in Burundi.

Ende dieses Jahres läuft die erste Periode des Kyoto-Protokolls aus. Aber dieser bisher einzige verbindliche internationale Klimavertrag konnte den weltweiten CO2-Ausstoß nicht stabilisieren – im Gegenteil: 1990, das die Basis für die Klimapolitik bildet, wurden 21 Milliarden Tonnen CO2 in die Atmosphäre gepustet, 2011 waren es 34 Milliarden. Damit wird das Ziel, den Temperaturanstieg auf zwei zusätzliche Grad zu begrenzen, immer illusorischer. Zwar pusten mittlerweile auch Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien immer mehr CO2 in die Atmosphäre, doch noch immer werden sie von den Industrieländern übertroffen. Gerade die müssen sich stärker ins Zeug legen, schon um die Schwellenländer zu mehr Anstrengungen zu bewegen.

Deutschland, das 40 Prozent CO2- Rückgang bis 2020 erstrebt, bildet in Europa den Vorreiter beim Klimaschutz, steht mit diesem Ziel aber allein. Zwar hat sich Europa zusammen mit anderen Regionen wie Australien zu neuen Verpflichtungen unter dem Kyoto-Protokoll bereit erklärt – ambitioniert aber sind diese nicht. So ist es nicht falsch, auch einmal die USA an ihre Verantwortung zu erinnern. Die Weltmacht hätte großen Einfluss auf die Klimaverhandlungen. Vielleicht tut sich etwas aufgrund der Ankündigung von Präsident Obama, den Klimaschutz in seiner zweiten Amtsperiode ernster zu nehmen und die USA übernehmen die Führungsrolle, die ihr zukommt. Dann würde sich auch China stärker einbringen müssen.