Kommentar: Grenzen der Kunst

Sie hat nicht aufgegeben und ist dafür belohnt worden: Die katholische Publizistin Gabriele Kuby. Von Stefan Meetschen

Sie hat nicht aufgegeben und ist dafür belohnt worden: Die katholische Publizistin Gabriele Kuby, die – neben anderen bekannten Vertretern des christlich-konservativen Meinungs-Milieus – in dem Theaterstück „Fear“ des Autors Falk Richter, das vor einiger Zeit an der Berliner Schaubühne zu sehen war, heftig attackiert wurde. Denn: Das Berliner Kammergericht hat jetzt bestimmte Schmähungen und Verunglimpfungen, die ein Teil der Aufführung waren, untersagt (siehe auch Seite 21).

Das ist gut – für die profilierte Autorin, aber auch für die Meinungs- und Kunstfreiheit in Deutschland. Denn diese Freiheiten stehen und fallen letztendlich mit der Bereitschaft und Fähigkeit der Akteure, anderen Menschen, gerade auch politisch Andersdenkenden, mit Respekt und Toleranz zu begegnen. Wer hingegen, wie bei der Schaubühne geschehen, den pluralistischen Diskurspartner als „Zombie“ diffamiert und ihm sogar eine erfundene Hetze gegen Juden unterstellt, verwirkt in diesem Punkt sein Recht auf künstlerische Freiheit. Er wird – was besonders tragisch ist – dem Menschentypus ähnlich, den er vermeintlich angreift: dem Typus des von Hass getriebenen Hetzers.

Mit seinem Urteil hat das Berliner Kammergericht also ein wichtiges Zeichen gesetzt. Ein Zeichen, das unter manchen Kreativen zu einem Umdenken führen sollte. Am besten zu der Einsicht, dass die Stärke und Unabhängigkeit des Theaters stets im psychologisch feinfühligen Denken und Abbilden lag, weniger hingegen in holzschnittartigen Agitprop-Methoden. Was dieses Zeichen allerdings überschattet, ist der Umstand, dass Kuby offenbar für den größeren Teil der Verfahrenskosten selbst aufkommen muss, während für die Schaubühne und Richter nur ein geringerer Unkostenbeitrag anfällt. Ist das gerecht? Müsste die Publizistin für die rufschädigende Persönlichkeitsverletzung, die sie im Namen der Kunst erlitten hat, nicht finanziell entschädigt werden? So bleibt das zwiespältige Gefühl, dass ein deutsches Gericht zwar noch einmal Ansätze einer roten Linie markiert hat, diese Linie für die Zukunft aber keinesfalls gesichert wirkt.