Kommentar: Freiheit braucht Wahrheit

Es braucht Jahrestage wie diesen, um das Bewusstsein zu schärfen. Wem es ernst damit ist, der darf danach nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Dieser 13. August ist ein Mahnmal. Vor fünfzig Jahren wurde in Berlin die Mauer errichtet. Ein menschenverachtendes Bauwerk. Monströs und mörderisch. Steingewordener Hass auf den Westen, auf die Demokratie, auf die Freiheit. Und wer die Freiheit hasst, der hasst immer auch den Menschen.

Mauer, Stacheldraht, Schießbefehl, Stasispitzel: So sah das wahre Gesicht des sozialistischen Systems aus. Das alles ist noch nicht lange her und wird heute so leichtfüßig vergessen und bewusst verdrängt, dass einem übel werden muss. Schlimmer noch: Die politischen Erben des SED, die in deutschen Parlamenten sitzen, betreiben weiter ihr ideologisches Spiel. Nur die Karten sind neu gemischt. So absurd das klingen mag, man muss fast dankbar sein für die unerträglichen Äußerungen von Gesine Lötzsch. Sie dokumentieren, wie die Linke tickt. Ende der Maskerade. Furchtbar nur, dass eben jene Linkspartei mit ihrem ungeklärten Erbe längst auf dem Sprung zum von der SPD akzeptierten Mehrheitsbeschaffer in der Bundespolitik ist.

Die DDR war kein Versuch, kein anderes Deutschland, wie das heute in beängstigender Verklärung unter naiven Ostalgikern wie unter sogenannten Intellektuellen zu hören ist. Die DDR war ein bestialischer Unrechtsstaat, dessen Ideologen und Mächtige die Würde des Menschen mit Füßen getreten haben. Wer sich daran nicht erinnern will, wer das verdrängt oder die Wahrheit verleugnet, versündigt sich an den Opfern des SED-Regimes und erweist sich als Gegner von Freiheit und Demokratie. Die Erinnerung an die Verbrechen der DDR wach zu halten, gehört zu den zentralen Herausforderungen der politischen Bildung in Deutschland. Je länger der Mauerbau zurückliegt, desto wichtiger ist das. Die DDR ist Geschichte. Gott sei Dank! Und allen, die über die Jahrzehnte der Teilung wirklich an die Einheit geglaubt und dafür gearbeitet haben.