Kommentar: Eine neue Herausforderung

Von Stefan Meetschen

Stefan Meetschen. Foto: DT

Seit dem „Brexit“ und dem überraschenden Wahlerfolg von Donald Trump blicken viele Journalisten und Politiker im Westen mit Sorge auf das Phänomen des „Populismus“, womit man eine Haltung meint, die auf komplexe Fragen einfache Antworten als Rezept verspricht, vermischt mit einer demokratiefeindlich wirkenden Polemik. Eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung, die sich mit dem „Populismus“ in Deutschland befasst, zeigt nun, dass immerhin ein Drittel der Wählerschaft in Deutschland dem „Populismus“ nahesteht. Jedenfalls leitet man das an der Einstellung der Befragten zu bestimmten Aussagen, wie etwa „Die Politiker im Bundestag sollten immer dem Willen der Bürger folgen“, ab.

Die gute Nachricht. Wie die Autoren der Studie ausdrücklich betonen, lehnen die dem „Populismus“ zuzurechnenden Befragten „die Institutionen der Demokratie oder der EU nicht grundsätzlich ab, sondern kritisieren ihr Funktionieren“. Was den Politikwissenschaftler Wolfgang Schroeder laut tagesschau.de zu der Einschätzung führt, dass der „Populismus“ in Deutschland „eher moderat ausgeprägt“ sei. Sein Rat, insbesondere wenn es um das Phänomen des „Rechtspopulismus“, den die Studie mit der Wählerschaft der AfD verbindet, geht: „Man kann nicht einfach nur mit der Faschismus-Keule vorgehen, sondern man muss sich auch mit den Argumenten auseinandersetzen. Das war bisher weniger notwendig gegenüber den anderen Parteien, die dem rechten Spektrum zuzuordnen waren. Das ist bei der AfD eine neue Qualität und eine neue Herausforderung“.

Eine neue Herausforderung, die offensichtlich auch im kulturellen Bereich existiert. Das inhaltlich sehr umstrittene, aber – was die Verkaufszahlen betrifft – erfolgreiche Buch „Finis Germania“ des Historikers Rolf Peter Sieferle ist von der „Spiegel“-Bestsellerliste getilgt worden. Die Begründung der stellvertretenden „Spiegel“-Chefredakteurin: Man wolle „als Medium der Aufklärung (...) den Verkauf eines solchen Buches nicht befördern“. Eine wirklich aufgeklärte, weil argumentative Auseinandersetzung sieht sicherlich anders aus.

Stefan Meetschen. Foto: DT