Kommentar: Die Uhr steht auf fünf nach zwölf

Von Guido Horst

Guido Horst
Guido Horst. Foto: DT
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Guido Horst. Foto: DT

Es ist ein Novum. Gemeinsam haben Papst Franziskus und der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. eine Botschaft zum dritten Weltgebetstag für die Bewahrung der Schöpfung veröffentlicht. Hätte diese neue ökumenische Variante der Botschaften aus dem Apostolischen Palast zur Folge, dass alle diese Texte nun so kurz, prägnant und bündig wären wie der nun veröffentlichte, wäre allein das schon begrüßenswert. Der Lateinamerikaner Bergoglio hält sich als Papst an vieles nicht mehr, was unter seinen Vorgängern selbstverständlich war. Und so wird er sich gesagt haben, warum eine Botschaft zum Thema Ökologie nicht auch von seinem Bruder in Istanbul mit unterschrieben werden kann, da das Thema nun wirklich alle Christen berührt. Zumal es Bartholomaios war, der diesen Welttag für die Bewahrung der Schöpfung bereits für seine Kirche 1989 eingeführt hatte. Franziskus folgte ihm 2015 nach der Veröffentlichung der Enzyklika „Laudato si'“.

Wie gesagt, der Text ist kurz, aber ernst. Er liest sich so, als sei es in Sachen der Verantwortung für die Natur nicht fünf vor, sondern fünf nach zwölf Uhr: Es offenbare sich heute ein „Szenario des moralischen Verfalls“, Gier nach grenzenlosem Gewinn habe „uns dem ursprünglichen Ziel der Schöpfung entfremdet“. Bereits jetzt seien die Folgen „tragisch und dauerhaft“. Der 1. September – leider also gestern, die Botschaft hätte auch etwas früher kommen können – sei ein Tag des Gebets, das die „Heilung unserer verwundeten Schöpfung“ unterstützen soll. Der Appell richtet sich aber vor allem an die Verantwortungsträger in Politik, Kultur, Gesellschaft und vor allem Wirtschaft, das Ruder herumzuwerfen, nachdem der Globus bereits zur Müllkippe verkommen ist. Wie auch in der Vergangenheit bindet Franziskus – jetzt gemeinsam mit Bartolomaios – das Schicksal der natürlichen Ressourcen und der Umwelt an das Schicksal der Armen und an den Rand Gedrängten. Wie das auch schon Benedikt XVI. getan hat, der eine ganzheitliche, humane Ökologie vertreten hat. Es ist eine Botschaft, die hoffentlich nicht ungehört verhallt.