Kommentar: Die Hydra des Terrors

Von Markus Reder

Markus Reder. Foto: DT
Markus Reder. Foto: DT

Totgesagte leben lang, heißt es. Für Mullah Omar galt das offenbar nicht. Der Chef der afghanischen Taliban ist tot. Mehrfach war Omar bereits für tot erklärt worden. Sicher sein konnte man nie. Auch was die Todesursache anging, gab es stets abweichende Angaben. Am Mittwoch waren es afghanische Regierungskreise, die – unter Berufung auf pakistanische Behörden und Taliban-Quellen – bekanntgaben, dass Mullah Omar bereits vor zwei Jahren an einer Krankheit in Pakistan gestorben ist.

Wie auch immer Mullah Omar letztlich starb, sein Tod ändert wenig. Noch im Juli zirkulierte eine Botschaft, die Omar zugeschrieben wurde. Offenbar längst von anderen initiiert. Auf die jeweiligen Gesichter kommt es ohnehin nicht mehr an. Mit dem islamistischen Terror ist es wie mit der Hydra der griechischen Mythologie. Nur dass der Terror der Radikalen blutige Realität ist. Hat man einen Kopf abgeschlagen, wachsen an dessen Stelle mehrere neue nach. Das gilt nicht nur für Mullah Omar. Mögen die Taliban geschwächt sein, längst hat sich der „Islamische Staat“ an die Spitze islamistischer Schreckensherrschaft gestellt. In welchem Gewand und unter welchem Namen radikale Islamisten wüten, das Böse potenziert sich mit abscheulicher Brutalität.

Der Kampf dagegen ist mit militärischen Mitteln allein nicht zu gewinnen – ohne selbstverständlich auch nicht. Wenn aber der Westen schon kaum mehr Solidarität mit den geschundenen und gequälten Minderheiten des Nahen und Mittleren Ostens aufbringt und Flüchtlinge aus diesen Ländern zunehmend als Wohlstands-Bedrohung empfunden werden, woher sollen dann die Kräfte des Guten kommen, die der Barbarei der Islamisten die Stirn bieten? Die Auseinandersetzung mit dem Islamismus ist immer auch ein geistlicher Kampf, der durch die Herzen der Menschen geht. Doch wo das Gute schwach wird, weil das eigene Ego wichtiger ist als die Solidarität mit Menschen in höchster Not, da hat das Böse leichtes Spiel.