Kommentar: Arte: Ideologie in Reinkultur

Von Stefan Rehder

Stefan Rehder. Foto: DT.–
Stefan Rehder. Foto: DT.–

Ginge es gerecht zu, müsste das, was der in deutsch-französischer Kooperation betriebene TV-Sender „Arte“ am Dienstag Abend unter dem Titel „Abtreibung – ein Menschenrecht“ ablieferte, Rundfunkräte um ihren Nachtschlaf und Redakteure um ihren Job bringen. Denn die 52-minütige „Dokumentation“, die vorgibt, „die Lebenswirklichkeit der Frauen in Deutschland, Frankreich und Polen im Hinblick auf die unterschiedlichen Abtreibungs-Gesetze“ zu zeigen, ist in Wirklichkeit ein hemmungsloses, dreifaches Plädoyer: Für die Anerkennung eines behaupteten Menschenrechts auf Abtreibung, für die Abschaffung der Gewissensfreiheit und damit für den Zwang von Geburtshelfern, auch an vorgeburtlichen Kindstötungen mitzuwirken, sowie für eine bessere finanzielle Vergütung solcher Tötungshandlungen. Der von der Kölner Filmproduktion „Tag Traum“ produzierte und von der WDR/Arte-Redaktion verantwortete Beitrag geriet nicht nur zu einem Stelldichein von Abtreibungsärzten und dem „Who-is-Who“ der deutschen und europäischen Abtreibungslobby, sondern lässt auch jede journalistische Distanz vermissen.

Nicht nur, dass Aushängerschilder der Lobby wie die Brüsseler Cheflobbyistin der „International Planned Parenthood Federation“ (IPPF), Vicky Claeys, oder die deutsche Abtreibungsaktivistin Sarah Diehl und die Soziologin Ulrike Busch, ihre Ideologie ohne eine einzige kritische Nachfrage über den Bildschirm an die Frau und an den Mann bringen dürfen; beständig macht sich auch die „Stimme aus dem Off“ mit ihnen gemein. Selbst auf einen „Alibi-Kritiker“ verzichtet das Machwerk. Dass in dem Beitrag ständig von „den Frauen“ die Rede ist, als seien Frauen per se für Abtreibung und er beschweigt, dass auf den „Märschen für das Leben“, denen aus dem Off vorgeworfen wird, „gegen ein Menschenrecht auf Abtreibung“ zu „agitieren“, Frauen oft in der Mehrzahl sind, könnte man sich da fast gefallen lassen. Nur sind es auch ihre Rundfunkgebühren, die für diesen Werbefilm der Abtreibungslobby ebenso dreist wie mutwillig verpulvert wurden.