„Klopft an Türen, pocht auf Rechte!“

Prälat Klaus Krämer vom Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ fordert, die Rechte von Kindern besser zu schützen. Von Johannes Seibel

ist Präsident des Missionswerkes Foto: missio
ist Präsident des Missionswerkes Foto: missio
Herr Prälat Krämer, die aktuelle Sternsinger-Aktion des Kindermissionswerks verbindet das Thema der materiellen Lebenssituation mit dem der Kinderrechte im Beispielland Nicaragua. Warum?

Nicaragua gehört ja zu den ärmsten Ländern Lateinamerikas. Deshalb sind dort die Grundrechte der Kinder auf Bildung oder Gesundheitsfürsorge nicht so gewährleistet, wie das an sich notwendig wäre. Dann hat Nicaragua auch noch ein sehr großes Gewaltproblem in der Gesellschaft. 95 Prozent dieser Gewalt findet im familiären Kontext statt. Mehr als die Hälfte der Kinder hat eigene Erfahrungen mit Gewalt. Deshalb ist Nicaragua ein gutes Beispiel, an dem sich verdeutlichen lässt, dass Kinderrechte heute weltweit geschützt werden müssen. Sie sind noch nicht in der Weise verwirklicht, wie das von der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen und von nationalen Gesetzgebungen gefordert wird.

Wie können Sie Kindern und Erwachsenen in Deutschland dieses Thema näherbringen, wo die Sternsinger doch eher mit schönem Brauchtum in Verbindung gebracht werden?

Wir begleiten unsere Sternsinger-Arbeit mit einer umfangreichen Bildungsarbeit, die auch der Bewusstseinsbildung für diese Themen dient. Wir haben ausführliche Werkhefte vorbereitet. Wir schulen Multiplikatoren, die sich mit den Sternsingern im Vorfeld mit diesen Themen beschäftigen. Auch die Zeitschrift der Sternsinger, die das gesamte Jahr über verteilt wird, informiert die Jungen und Mädchen über solche Themen.

Am neuen Plakat der Sternsinger fällt auf, dass die Jungen und Mädchen sehr fordernd schauen. Ist das bewusst so inszeniert?

Ja, wir sind mit diesem Plakat jetzt tatsächlich neue Wege gegangen. Zum ersten Mal ist gemeinsam mit unseren Sternsingern auf dem Plakat ein Kind aus dem Beispielland zu sehen, um die Brücke zu schlagen zwischen den Sternsingern hier und dem Einsatz für Kinder in aller Welt. Wir haben auch etwas gebrochen mit dem Image der kleinen, niedlichen Könige und die Jugendlichen selbstbewusster dargestellt. Das soll deutlich machen, dass sich Kinder hier für Rechte von Kindern in allen Teilen der Welt einsetzen und dies auch politisches Gewicht hat.

Zurück zum Beispielland Nicaragua. Mit welchen Projekten versuchen dort die Sternsinger, Kinderrechte mit durchzusetzen?

Für das Kindermissionswerk ist natürlich der Bereich der Bildung das wichtigste Feld. Fast die Hälfte der Projekte, die das Kindermissionswerk unterstützt, bezieht sich auf die Primar- und Sekundarschulbildung von Kindern. Bildung ist die zentrale Grundlage für eine Zukunft, in der Kinder ihre Rechte besser wahrnehmen können. Wir unterstützen auch Projekte im Bereich Gesundheitsfürsorge. Mit anderen Projekten wenden wir uns gezielt Jugendlichen zu, die Opfer von Gewalt geworden sind. Dazu zählen Projekte, in denen Kinder, die in ihren Familien Gewalt erfahren und jeden Kontakt zu ihren Angehörigen verloren haben, wieder ein neues Zuhause finden und neues Vertrauen aufbauen können.

Wenn Sie den Einsatz der Sternsinger für Nicaragua und die Kinderrechte dort mit einem Bibelwort charakterisieren sollten, was fällt Ihnen da ein?

Das Motto unserer aktuellen Aktion lautet ja „Klopft an Türen, pocht auf Rechte!“. Im siebten Kapitel des Matthäus-Evangeliums heißt es: „Bittet, dann wird Euch gegeben. Klopft an, dann wird Euch geöffnet.“ Dieses Bibelwort bringt sehr plastisch zum Ausdruck, um was es beim Sternsingen geht: Wir sollen unser Anliegen sehr konkret formulieren. Dies gilt für unsere Beziehung zu Gott. Dies gilt aber natürlich auch für die Beziehung zum Nächsten, den wir aufrütteln wollen, sich einzusetzen und sich diese Sache zur eigenen Sache zu machen.