Mühlhausen

Islam: Frankreichs Selfie

Frankreichs Präsident Macron will den anderen Ländern in Europa beim Umgang mit muslimischen Minderheiten ein Beispiel geben.

Frankreichs Präsident besucht Polizeistation
Frankreich, Mulhouse: Emmanuel Macron spricht während eines Besuchs bei der Polizeistation im Bezirk Bourtzwiller mit Anwohnern und Pressevertretern. Macron sagte, er sei entschlossen, gegen "islamistischen Separatismus", aber auch gegen "Diskriminierung" zu kämpfen. Foto: Sebastien Bozon (AFP Pool/AP)

Am Anfang und am Ende ein Selfie. Vor seiner Grundsatzrede im elsässischen Mühlhausen und zwar im islamischen Problemviertel Bourtzwiller sowie danach bei der Begrüßung auf der Straße nahm der französische Präsident Emmanuel Macron ein paar Selfies auf, wobei er das Smartphone der Bürger selber bediente. Ein symbolischer Akt. Denn bei der Rede ging es um die Identität und Einheit Frankreichs gegen den "separatistischen politischen Islam". Macron will das Selfie Frankreichs selbst bestimmen. Und wenn seine Regierung umsetzt, was er angekündigt hat, dann kann Frankreich nicht nur das Heft des Handelns in der Hand behalten, sondern wird auch anderen Ländern in Europa mit muslimischen Minderheiten ein Beispiel geben.

Der Unterricht entglitt der Kontrolle

Die Rede war nur der Auftakt für einen Aktionsplan. Erster Punkt: Seit 1977 können Schüler gemäß bilateralen Verträgen in ihrer Muttersprache unterrichtet werden. Das betrifft rund 80000 Schüler, vor allem aus Nordafrika und der Türkei. In den letzten Jahren kamen die Lehrer zunehmend aus diesen Ländern, viele sprachen nicht einmal französisch. Der Unterricht entglitt der Kontrolle. Dieses System soll abgeschafft und im kommenden September durch ein neues ersetzt werden mit Lehrern, die französisch sprechen und Kontakt zum französischen Bildungssystem pflegen. Nur die Türkei wehrt sich. Zweiter Punkt: Die Imame in den Moscheen sollen künftig in Frankreich ausgebildet und zertifiziert werden. Schluss mit den fundamentalistischen Wanderpredigern vor allem aus Algerien und der Türkei. Ihre Zahl soll auf Null heruntergeschraubt werden. Und drittens: Die Finanzierung der Moscheebauten aus dem Ausland, etwa der Bau der Riesenmoschee Al-Nur in Bourtzwiller, soll transparenter werden.

Es geht um den Primat von Nation oder politischer Religion

Die Maßnahmen sind konkret. Macron und der Islam in Frankreich wird an ihnen gemessen werden. Es handelt sich um einen Kulturkampf. Es geht um den Primat von Nation oder politischer Religion. Die Grande Nation will die 150 an den radikalen Islam verlorenen Gebiete wieder zurückholen. Sie gehören zum Selfie. Man kann Macron dabei nur Erfolg wünschen.

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