Islam: Feiertagsdebatte geht weiter

Bischof Algermissen gegen islamische Feiertage – De Maiziere und ZdK-Chef Sternberg: Habe keinen gesetzlichen Feiertag gefordert

Minarett
Die Deutschen lehnen die Einführung islamischer Feiertage mit großer Mehrheit ab. Sieben von zehn Befragten sprachen sich in einer INSA-Umfrage dagegen aus. Foto: dpa
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Die Deutschen lehnen die Einführung islamischer Feiertage mit großer Mehrheit ab. Sieben von zehn Befragten sprachen sic... Foto: dpa

Berlin/Fulda (DT/dpa/KNA) In die von Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) ausgelöste Debatte um die Einführung islamischer Feiertage in Deutschland hat sich jetzt ein katholischer Bischof eingeschaltet. Gegenüber dieser Zeitung sagte Bischof Heinz-Josef Algermissen, Bischof von Fulda, am Mittwoch: „Wie würden islamische Staaten reagieren, wenn katholische Christen dort versuchten, etwa das Fest Fronleichnam mit einer Prozession zu feiern? Oder Weihnachten und Ostern in islamischer Öffentlichkeit?“ Gott sei Dank, so der Bischof weiter, gebe es in unserem Land mit immer noch christlicher Prägung einen anderen Toleranzbegriff, der manches zulasse, was in muslimischen Ländern undenkbar wäre. „Indes darf das nicht bis zum Verlust unserer Identität und Prägung und bis zur Selbstaufgabe führen. Daher bin ich gegen die Einführung eines islamischen Festes in Deutschland“, so Bischof Algermissen.

De Maiziere fühlt sich in der öffentlichen Debatte über einen möglichen muslimischen Feiertag indes falsch verstanden. „Einen Vorschlag von mir zur Einführung eines muslimischen Feiertages gibt es nicht. Ich werde auch keinen solchen Vorschlag machen“, heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Stellungnahme de Maizieres. Er reagierte damit auf teils heftige Kritik aus den Reihen der Union. De Maiziere hatte sich kürzlich bei einer Veranstaltung in Wolfenbüttel zum Thema Islam-Feiertag geäußert. In Wolfenbüttel hatte sich de Maiziere offen dafür gezeigt, in bestimmten Regionen Deutschlands einen muslimischen Feiertag zu etablieren. „Ich bin bereit, darüber zu reden, ob wir auch mal einen muslimischen Feiertag einführen“, hatte er dort erklärt. Allerheiligen sei auch nur dort Feiertag, wo viele Katholiken lebten. „Wo es viele Moslems gibt – warum kann man nicht auch mal über einen muslimischen Feiertag nachdenken.“ Generell seien die Feiertage in Deutschland aber christlich geprägt und das solle so bleiben.

Aus der CSU war daraufhin scharfe Kritik gekommen, ebenso vom – zu der Zeit noch wahlkämpfenden – CDU-Spitzenkandidaten in Niedersachsen, Bernd Althusmann. Der klagte, solche Diskussionen halte er im Wahlkampf für ungeeignet. Viele ordneten de Maizieres Äußerung als dessen Vorschlag oder gar Forderung ein. Das will der Minister so nicht stehen lassen.

In seiner Stellungnahme, die der CDU-Politiker am Dienstag auf seiner Abgeordneten-Homepage veröffentlichte, betont de Maiziere, er habe sich bei der Veranstaltung in Wolfenbüttel dafür ausgesprochen, dass die Gesellschaft an den christlichen Wurzeln – am Glockengeläut, an christlichen Festen, Feiertagen und vielem mehr – auch weiterhin festhalte. „Das war die Ausgangslage“, schreibt er. „Auf diesem Fundament habe ich einen Gedanken aufgegriffen, in Regionen mit einem sehr hohen Anteil von Muslimen über einen muslimischen Feiertag zu diskutieren.“ Dabei habe er klargemacht, dass die Kultur und auch die Feiertage in Deutschland weiter christlich geprägt und begründet bleiben müssten. „Daraus einen Vorstoß oder Vorschlag für einen muslimischen Feiertag zu machen, ist abwegig.“

In den vergangenen Tagen waren einige Befürworter eines muslimischen Feiertags de Maiziere beigesprungen – etwa der Zentralrat der Muslime. Auch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) äußerte sich. „In einer multireligiösen Gesellschaft kann in Gegenden mit hohem Anteil an frommen Muslimen ein islamischer Feiertag hinzukommen, ohne dass die christliche Tradition unseres Landes verraten würde – das geschieht viel eher in der Umgestaltung des Nikolaus zum Weihnachtsmann“, sagte ZdK-Präsident Thomas Sternberg der „Passauer Neuen Presse“ (Dienstag). Die CSU reagierte ablehnend. „Ich bin tief bestürzt, ja fassungslos, dass sich jetzt auch noch die Spitze des Zentralkomitees der Katholiken für einen Islam-Feiertag ausspricht“, sagte Generalsekretär Andreas Scheuer. Er kündigte an, dass es mit der CSU keinen solchen Feiertag in Deutschland geben werde.

Doch auch ZdK-Präsident Sternberg sieht sich missverstanden. In einer Stellungnahme ließ der CDU-Politiker am Mittwoch mitteilen, dass er darauf hingewiesen habe, dass unser Staat ganz wesentlich durch christliche Feiertage geprägt sei. „Dies ist schon immer so – und wir werden alles tun, dass es so bleibt. Alle staatlichen Feiertage in unserem Land sind bis auf den 1. Mai und den 3. Oktober christlich geprägt. Selbstverständlich ist hier auch der Sonntag zu nennen. Ich habe darauf hingewiesen, dass es Aufgabe der Christen ist, diese Feste zu gestalten und im Bewusstsein zu halten“, so Sternberg.

Wo es indes einen nennenswerten Anteil an Muslimen gebe, so Sternberg weiter, sollte man auch deren Festkultur selbstverständlicher zur Kenntnis nehmen. „Wenn in Gegenden mit hohem Anteil an frommen Muslimen Regelungen für die Ausübung islamischer Feiertage hinzukommen, würde das nicht die christliche Tradition unseres Landes verraten. Ich habe damit weder einen gesetzlichen Feiertag für Muslime gefordert, noch werde ich ihn anregen“, so der CDU-Politiker.

Die Deutschen lehnen die Einführung islamischer Feiertage derweil mit großer Mehrheit ab. Sieben von zehn Befragten (70,1 Prozent) sprächen sich dagegen aus, so eine INSA-Umfrage für die „Bild“-Zeitung (Dienstag). Nur jeder 13. Bundesbürger (7,8 Prozent) befürwortet demnach eine Einführung gesetzlicher islamischer Feiertage in Deutschland. Unter den Grünen-Wählern votierte ein Fünftel (19,6 Prozent) für solche Feiertage. In allen anderen Parteien sei der Zuspruch deutlich geringer, am geringsten bei Wählern der AfD (3,7 Prozent) und der FDP (4,2 Prozent). INSA-Chef Hermann Binkert erklärte laut „Bild“: „Für die ganz große Mehrheit der Deutschen gehört der Islam nicht zu Deutschland.“ Die politisch Verantwortlichen sollten die Meinung der Bevölkerung in diesen Fragen „wirklich ernst nehmen“. (siehe Leitartikel)