Irland: Erneute Kritik an Gesetz

Dublin (DT/KNA) Das irische Abtreibungsgesetz ist erneut in die Kritik geraten, weil einer suizidgefährdeten Frau ein Schwangerschaftsabbruch verweigert wurde. Laut irischen Medienberichten (Montag) war die Frau von einem Krankenhaus abgewiesen worden, weil die Schwangerschaft bereits über die 20. Woche hinaus fortgeschritten war. Aus Protest ging die Frau in einen Hungerstreik, stimmte aber später einem Kaiserschnitt zu. Das Kind wurde demnach verfrüht nach nur 25 Wochen geboren und soll nun in Pflege gegeben werden. Laut dem zu Jahresbeginn in Kraft getretenen Abtreibungsgesetz ist der Abbruch einer Schwangerschaft in Irland legal, wenn das Leben der Mutter durch eine Austragung des Kindes gefährdet ist. Das gilt auch dann, wenn die Frau suizidgefährdet ist. Um die Persönlichkeitsrechte der Frau zu schützen, wurden nur wenige Informationen an die Öffentlichkeit gegeben. Es soll sich um eine Ausländerin handeln, die in ihrem Ursprungsland vergewaltigt worden war, bevor sie nach Irland kam. Nach Informationen der Tageszeitung „Irish Times“ hatte die Frau bereits Anfang April, in der achten Schwangerschaftswoche, um eine Abtreibung gebeten, von den zuständigen Behörden aber nicht die richtigen Informationen erhalten. Abtreibungsgegner wie -befürworter erklärten einhellig, der Fall zeige Schwächen des neuen Gesetzes auf. Ruth Cullen, eine Sprecherin der sogenannten Pro-Life-Kampagne, warnte, die Einleitung einer derart verfrühten Geburt könne ein ernsthaftes Gesundheitsrisiko für das Baby darstellen und zu „Gehirnschäden, Blindheit oder gar Tod“ führen. Die Befürworter liberalerer Abtreibungsgesetze von Doctors for Choice bemängelten, die Ärzte, die über den geistigen Zustand der Frau urteilten, hätten nicht über ausreichende Expertise verfügt. Der Bischof von Elphin, Kevin Doran, kritisierte den verfrühten Kaiserschnitt als „unmoralisch“. Es habe „keine physischen Gründe“ für einen solchen Schritt gegeben. Zwar sei ein Kaiserschnitt besser als eine Abtreibung; der Vorgang sei jedoch „nicht natürlich“, sagte Doran dem „Irish Independent“. Auch Irlands Justizministerin Frances Fitzgerald zeigte sich besorgt über den Fall. Man werde die neue Gesetzeslage und deren Ausführung „weiter beobachten“.