Im Blickpunkt: Schmerzfreie Trennung

Von Regina Einig

In aller Stille haben sich die deutschen Bischöfe von ihrem bekanntesten überregionalen Printmedium getrennt. Weder die Auflagenentwicklung von „Christ & Welt“ noch der finanzielle Rückhalt seitens der Konferenz liefern in Zeiten sprudelnder Kirchensteuereinnahmen für diese Entscheidung eine schlüssige Erklärung. Vieles deutet auf ein Problem hin, das schon gescheiterte publizistische Initiativen der Bischöfe wie „publik“ und den „Rheinischen Merkur“ in die Bredouille brachte: Ohne persönliche Identifikation mit dem Produkt wächst keine dauerhafte Blattbindung. Wenn ein wachsender Teil der Bischöfe nicht mehr davon überzeugt ist, genau diese Plattform zu benötigen, hat sich die für ein dauerhaftes Engagement unerlässliche innere Beziehung zum Blatt totgelaufen. Dieser Punkt war bei „Christ & Welt“ offenbar erreicht, denn der Abschied ist bemerkenswert schmerzfrei über die Bühne gegangen. Jedenfalls hat bisher niemand dem Geschäftsführer des Katholischen Medienhauses in Bonn widersprochen, der einem säkularen Verlag am Standort Berlin eine ausgeprägtere Sensibilität für religiöse Phänomene zutraut als einem kirchlichen Medienhaus. Sendungsbewusstsein und Professionalität lassen sich nicht voneinander trennen.

Unbestritten bleibt natürlich, dass die Bischöfe den „Dialog mit der Welt“ führen möchten. Doch was ist damit gemeint, wie soll der Dialog geführt werden und mit welchem Ziel? Verkündigung ist zwar der erste Auftrag der Hirten, leichter fällt oft das ergebnisoffene, ökumenisch korrekte Gespräch ohne den Anspruch, die unverkürzte Wahrheit des Evangeliums zu vermitteln. Dieser Trend lässt sich nicht auf Medien oder Institutionen beschränken. Er ist das Grundproblem katholischer Kirchenkreise in Deutschland, die im Meinungskonzert oft ihre Unentbehrlichkeit verleugnen und den Missionsauftrag zugunsten gesellschaftspolitischer Fragen zurückstellen. Je weniger Proprium und Profil die Kirche ausstrahlt, desto rascher verliert sie in der Öffentlichkeit an Boden. Der Abschied von „Christ & Welt“ überrascht darum nicht. Kommunikationsversuche vom bundesweiten Dialogprozess bis zu Produkten wie dem Flyer „Geschlechtersensibel: Gender katholisch gelesen“ haben mehr als einen Bischof frösteln lassen. Dass die Hirten an einem Strang ziehen, wenn es um die öffentliche Präsenz der Kirche geht, wäre aber die Voraussetzung für eine intensivere überregionale Medienarbeit. Sonst bliebe nur der Rückzug auf die Diözesen. Das kann allerdings kein seriöses Ziel in einer Weltkirche sein.