Im Blickpunkt: Konsequenz statt Selbstbescheidung

Das Veto von Bischof Gregor Maria Hanke OSB gegen die Ernennung des gewählten Präsidenten der Universität Eichstätt ist kein alltäglicher Vorgang. Vorzuwerfen ist ihm deswegen nichts. Der Großkanzler der Universität wünscht sich für den Posten des Universitätspräsidenten einen Mann seines Vertrauens. Da der gewählte Präsident den bischöflichen Vorstellungen offensichtlich nicht entspricht, hat Hanke nun den Weg für eine Neuausschreibung geebnet (Seite 5). Auf den ersten Blick scheint es banal, dass sich der katholische Träger der Universität auch durch öffentliche Buhrufe nicht beirren ließ. Will Bischof Hanke die Mitbrüder in den bayerischen und den übrigen deutschen Bistümern künftig für ein intensiveres Engagement für die Universität gewinnen, sind ein geordnetes Haus und funktionierende Absprachen mit der Hochschulleitung eine unverzichtbare Voraussetzung, um überzeugend werben zu können. Ein über Jahre hinweg harzendes Arbeitsverhältnis zwischen Großkanzler und Hochschulpräsident aus Angst vor der Schelte liberaler Kritiker in Kauf zu nehmen hieße, der Universität eine unverantwortliche Hypothek aufzubürden.

Wer nun Gefahren für die Autonomie der Katholischen Universität heraufbeschwört übersieht, dass die Besetzung des Präsidentenpostens an keiner Universität eine Randfrage wäre, aus der sich der Träger heraushielte. Dieser Aspekt ist in Bayern nicht leicht zu vermitteln, weil auch in kirchlichen Kreisen das Bedürfnis, sich der starken Hand des Staates unreflektiert unterzuordnen, oft stärker ausgeprägt ist als der Wunsch, katholisches Profil zu zeigen. Die Unfähigkeit, die bayerischen Bischöfe als rechtmäßige Entscheider anzuerkennen, hat in der Causa Eichstätt zu grotesken Fehleinschätzungen der tatsächlichen Kompetenzen geführt – und zu einer Wiederauflage alter Kampagnemuster, etwa gegen den Regensburger Bischof. Die haltlose Unterstellung, Müller habe in Rom gegen Hemel interveniert, gehört zu den Sumpfblüten jener medialen Verdächtigungskultur, deren kirchenfeindliche Stoßrichtung sich nur notdürftig mit dem Vorwand, für die Freiheit der Wissenschaft einzutreten, kaschieren lässt.

In Eichstätt steht die Verantwortung der Kirche selbstverständlich nicht unter der Prämisse: wer zahlt, schafft an. Bayern finanziert die Uni zu drei Viertel, doch erkauft sich der Freistaat damit keinen freiwilligen Verzicht des katholischen Trägers auf Mitbestimmung. Soll Eichstätt keine weitere Landesuniversität werden, muss die Kirche bei Berufungsverfahren das letzte Wort haben. Wer auch sonst? Jede Form bischöflicher Selbstbescheidung wäre inkonsequent. Regina Einig