Im Blickpunkt: Gesucht: ein Plan B für den Papst

Das Reisen ist nicht unbedingt der Päpste Lust. Welche Last Pastoralbesuche in fernen Ländern für den Nachfolger Petri mit zunehmendem Alter bedeuten, lässt der emeritierte Papst Benedikt zwischen den Zeilen seines jüngsten Interviews mit Peter Seewald durchblicken. In den vorab bekannt gewordenen Passagen tritt das Dilemma des Papstes vor seinem Rücktritt zutage: Benedikt XVI. musste abwägen zwischen der für ihn als obligatorisch geltenden Teilnahme am Weltjugendtag in Rio und seinen schwindenden Kräften.

Keine Frage: Die Ansprüche des Gottesvolkes an die Mobilität der Nachfolger Petri sind seit dem Konzil beständig gewachsen: Papstreisen gelten seit dem Pontifikat Johannes Pauls II. als etabliertes Instrument der Verkündigung. In vielen katholischen Köpfen gilt mittlerweile das ungeschriebene Gesetz, der Papst habe sich während seines Pontifikats auf allen Kontinenten einmal blicken zu lassen. Könnte es mit dem Hinweis auf die fehlende kirchenrechtliche Verankerung abgetan werden? Im akademischen Disput zweifellos, im Rahmen der Seelsorge wohl kaum. Ein Papst hätte schlechte Karten, wenn er Auslandstermine absagte mit dem Argument, Reisen seien nicht konstitutiv für die Ausübung seines Amtes. Insbesondere Weltjugendtage sind aber festgelegt durch ein teilweise ritualisiertes Programm, dessen dichte Taktung kaum Spielräume für Erholung lässt. Die Latte liegt hoch, denn der Ablauf wurde bisher bei jedem Wetter gestemmt – man schaue sich nur die Bilder der stürmischen Vigil beim Jugendtreffen in Madrid 2011 an.

Zwar erscheinen Senioren dank der Fortschritte in der Medizin heute bemerkenswert rüstig – doch darf im Jahr der Barmherzigkeit auch über Kompromisse nachgedacht werden. Die Frage des Zumutbaren angesichts der offensichtlichen Grenzen päpstlicher Leidensfähigkeit ist nicht neu. Schon 2005 mahnte die Vernunft dazu, einen Plan B für den gebrechlichen Johannes Paul II. beim Weltjugendtag in Köln in Auge zu fassen. Der Tod des Papstes und die Wahl Benedikts XVI. enthob die Organisatoren damals aller weiteren Antworten.

Mittlerweile ist die Welt vernetzter denn je. Die Kirche kann davon profitieren, indem sie den Papst den Jugendlichen digital noch näher bringt. Und es wäre durchaus eine Überlegung wert, ob Weltjugendtage ab einem bestimmten Alter des Papstes in Rom stattfinden. Die katechetischen Möglichkeiten in der Heiligen Stadt könnten die Grenzen der Leistungsfähigkeit eines Papstes ausgleichen.